 beneiden von dem Neger, der in heißen Ländern
die Pflanzung seines Herrn bebaut und dafür sorglos seinen Reis essen kann?«
    »Wenn das keine Ausnahmen sind, dann wehe uns! Wehe unsern geordneten
Saaten! Wehe der Zukunft unseres Volkes!« sagte der Maulwurffänger.
    »Du sprichst es aus. Wehe der Zukunft unseres Volkes, wenn gleichsam auf
gesetzmässigem Wege die Verarmung mit Riesenschritten um sich greifen darf! Weil
es so ist - und es ist leider fast überall so - darum vermaledeie ich die uns
gewordene Freiheit, die uns zur verabscheuungswürdigsten Sklaverei verurteilt,
zur Sklaverei des freien Willens! Tausende möchten vor Ekel sich von sich selbst
abwenden, aber sie dürfen nicht ihrer Weiber und Kinder wegen. Sie müssen das
Joch der Sklaverei der Freiheit von einem Jahre zum andern fortschleppen, bis es
sie erdrückt! Frei macht sie nur der Tod! Das aber ist ein namenloses Elend, ein
Jammer, vor dessen Größe und Unendlichkeit man vor Entsetzen versteinert!«
    »Um so entsetzlicher, als Niemand ihm steuern kann!« bemerkte Sloboda.
    »Dann stehen wir am Vorabende des Weltunterganges,« fiel der Maulwurffänger
ein. »Doch noch haben wir keinen Anlass zu solcher Verzweiflung, die sich selbst
und die Zukunft aufgibt. Noch sind Auswege vorhanden, auf denen das
fortwuchernde Elend des Volkes verjagt werden kann. Der Staat muss sich des
Volkes annehmen, muss ihm, dem darbenden, die Lasten abnehmen und sie auf die
Schultern der Verzehrenden, der Reichen legen.«
    »Träume, schöne, bunte ergetzliche Träume!« sagte Leberecht wehmütig
lächelnd. »Ich glaube an keine Träume!«
    »Du hast Recht, Freund, noch sind es Träume! Diese Träume aber werden
Wahrheit werden, ist sich alles Volk erst der Mittel bewusst, die es der überhand
nehmenden Verarmung entreißen können. Nur Massen bewirken etwas Großes in unsern
Tagen, nur gemeinsamer Hilfeschrei wird beachtet. Darum trachte der Einzelne
dahin, dass die Armen sich einigen und durch ihre Masse und Anhänglichkeit eine
unzerreissbare Kette bilden! Mit geschlossenen Gliedern können sie den Reichen
trotzen und durchsetzen, dass man ihre volle Freiheit anerkenne und sie
menschlich behandle.«
    Zweifelnd schüttelte Leberecht den Kopf, ohne das Gespräch weiter zu führen.
Die nahen Gebäude des Zeiselhofes, die über die kahlen Felder emporstiegen,
gaben seinen Gedanken eine andere Richtung. Sie bogen in einen flachen Hohlweg
ein und sahen sich nach wenig Minuten dem offenstehenden Torwege des Edelhofes
gegenüber.
    »Dort drüben,« sagte der Maulwurffänger, indem er mit der Hand nach dem
Herrenhause deutete, »dort drüben begann vor mehr als vierzig Jahren das große
Unglück, dessen Folgen uns drei greise Männer an diesem verhängnisvollen Orte
wieder zusammenführt. Möge Gott unsern Eingang segnen, wie er ihn
