 einzuflößen, geben wir uns für Russen aus, das öffnet uns alle Türen,
oder ich müsste unsere deutschen Herren nicht kennen. Er wird keinen Zweifel in
unsere Aechteit setzen. Haben wir uns nun auf's Genaueste über den Zustand der
Fabrik, über ihre in- und ausländischen Verbindungen und so fort Kenntnis
verschafft, so bringst Du wie von ungefähr das Gespräch auf die Grafen von
Boberstein und fragst naiv, als wissest Du gar nichts von der noblen Race, was
denn aus ihnen geworden sein möge? Das altadlige Blut wird diese Frage nicht
ruhig hinnehmen und der Baumwollenspinner keine Minute anstehn, sich mit
selbstgefälligem Stolz als Stammhalter des alten Geschlechtes uns vorzustellen.
Was dann zu tun sein wird, hängt von den Umständen ab. Jedenfalls genügt dieser
Besuch, uns Fuß fassen zu lassen und uns die Herren am Stein als die wahren
Grafen von Boberstein kennen zu lehren. Noch wird es nötig sein, dass der
Fabrikherr dieses Geständnis vor vielen Zeugen ablegt.«
    »Natürlich, natürlich!« sagte der Schulmeister.
    »Mich schaudert, jene Gegend wieder zu betreten,« erwiderte düster der alte
Wende. »Alle Schrecknisse werden wieder aufsteigen vor meinen Augen und beim
Dienst der Leibeigenen werde ich alle Pein nochmals empfinden, die ich und die
Meinigen so lange Jahre ertrugen.«
    »Lass Dich davon nicht abschrecken,« sagte Heinrich beruhigend. »Auch in
dieser Hinsicht haben die Jahre eine völlige Umwälzung bewirkt. Die jetzigen
Herren am Stein haben so wenig über einen Untertanen zu gebieten, wie ich. Es
gibt bei uns keine Leibeigenen mehr seit jener Katastrophe! Das Volk ist frei,
wie die Herren, es kann sich jetzt beliebig in vollkommenster Freiheit
ertränken, erhängen, erschießen oder freiwillig verhungern. Die Hungerfreiheit,
sagt man, sei die am häufigsten vorkommende, weshalb es Hunderte gibt, die sie
um einen Spottpreis losschlagen, und sich als Knecht bald der Menschen, bald der
Maschinen verdingen.«
    »Nun so vergeb' ich dem Feinde meiner Familie seine Ungerechtigkeiten,«
sagte Sloboda feierlich, »ja ich segne seine Frevel, da sie Ursache geworden
sind, eine Einrichtung aufzuheben, die kein göttliches Gesetz billigen kann! Wo
es keine Leibeigenen gibt, da steht die Tür des Paradieses offen! Nur der freie
Mensch ist das Ebenbild Gottes, der Knecht ein verkrüppeltes Scheusal, Mitleid
und Abscheu in gleichem Masse erregend!«
    »So glauben wir, Jan, und wohl uns, dass wir diesen Glauben haben, geht man
aber der Sache näher auf den Grund, so mindert sich unsere Freude, wird unser
Entzücken herabgestimmt. Das Wort Freiheit hat die neue Zeit wirklich an's Licht
gebracht, ihr Wesen aber liegt noch tief verborgen im Schoss der Zukunft!
Vielleicht
