, der schändet den heiligen Geist in des Menschen
Brust!«
    »Und ich sage Dir, Martell,« fiel Eduard ein, »es soll ihnen auch nicht
vergeben werden! Ein Rächer, ein Retter wird aufstehen unter Euch und gegen die
Unbarmherzigen furchtbares Zeugnis ablegen! - Wundere Dich immerhin, dennoch ist
es so und es wird geschehen, was ich sage! Noch triumphiren die Unmenschlichen
ihr Triumph wird ihr Grabgeläut sein; denn was sie besitzen, gehört ihnen nicht
allein. Es ist unrechtmässig zugeeignetes Gut, das man öffentlich von ihnen
zurückfordern wird. Diese Herren am Stein haben Verwandte, haben Brüder, die
lange verschollen waren, und die jetzt mit den gerechtesten Ansprüchen versehen,
mit den giltigsten Zeugnissen plötzlich wieder aus ihrem Dunkel hervortreten und
gegen sie klagen! - Hier, Martell, in diesem Jünglinge stelle ich Dir den ersten
Kläger vor. Andere werden ihm bald folgen.«
    Diese Eröffnung machte einen so gewaltigen Eindruck auf Martell, dass er
mehrere Minuten die Sprache nicht wieder finden konnte. Selbst Lore, die
fleißige Weberin, vergaß das Schifflein durch die Werfte zu schnellen und
Traugott hielt sein Spinnrad an. Eine ganz neue, eine unerhörte Welt drängte
sich in den eng begrenzten Horizont ihres Lebens.
    »Die Herren am Stein hätten Verwandte, um die sie sich nicht kümmern
sollten?« sagte Traugott. »Das wird vermutlich ein Irrtum sein, weil der
Brüder Boberstein drei am Leben und in der Welt zerstreut sind. Sie haben ja
genug, um die Ihrigen anständig zu verköstigen.«
    »Ihr Herr Vater, der verstorbene Graf Magnus war kein Joseph,« erwiderte
Eduard. »Mein Vater weiß davon zu erzählen und gewiss habt Ihr von seinem
heidnischen Sündenleben seiner Zeit auch reden hören.«
    »Wenn es wahr wäre,« sagte Martell nachdenkend, »so ließe sich darauf eine
leichte Hoffnung bauen. Ein Prozess, - große Geldverluste - Uneinigkeit unter den
Brüdern, - ja, das wäre ein Ausweg zur Rettung. Aber ich kann trotz Deiner
Versicherung noch nicht daran glauben. Und dein Gefährte sieht auch nicht in das
Grafengeschlecht mit seinen blauen Marien-Augen.«
    »Der Morgen ist schön, die Luft rein,« sagte Eduard, »ein Gang in den
duftenden Wald kann Dir nur gesund sein. Er wird Deinen Kopf frei machen, Deine
gelähmte Kraft stählen! Begleite uns! Unterwegs teile ich Dir das Nähere mit,
das vorerst nur noch für Dich allein bestimmt ist.«
    Diese mit leiser Stimme gesprochenen Worte hatten die beabsichtigte Wirkung.
Martell zog schnell seine zerrissene Kattunjacke an, drückte eine fettige
Tuchmütze schief auf sein üppiges schwarzes Haar und erklärte sich bereit die
jungen Freunde sogleich zu begleiten.
    »Ihr kehrt doch wieder mit mir zurück
