 ihm schmerzte.
    »Woran liegt es, dass die Armen so unmächtig sind?« entgegnete Eduard. »An
uns selbst, an uns ganz allein!«
    Martell sah ihn düster an, dann senkte er den Blick und schüttelte traurig
das Haupt.
    »Nein, o nein,« erwiderte er, »das liegt nicht an uns Armen. Wir vermögen
nichts, weil wir nichts haben. Das Geld ist das Mark des Lebens, der Hebel zur
Tat! Wo dieses fehlt, da gibt es nicht Kraft, nicht Ausdauer, nicht
Zusammenhalten! - O ich weiß es, ich kenne diese entsetzliche Schwäche, an der
Millionen hinsiechen und die, Gott mag es wissen, vielleicht in wenigen
Jahrzehnten die ganze Menschheit einigen Tausenden zinnsbar macht, die durch
Glück und Schlechtigkeit diesen allmächtigen Gott der Welt in ihre Hände
gebracht haben.«
    »Dahin soll es nicht kommen. Wir wollen es verhindern! Ich und Paul, - so
heißt unser junger Freund und Bruder, - haben schon viel darüber nachgedacht und
willst Du uns hören, so teilen wir Dir gern unsere Ansichten mit. Dies ist
eigentlich der Zweck unseres heutigen Kommens.«
    »Ihr tut ja äußerst geheimnisvoll? Hat Euer Herr 'was Ungebührliches
getan?«
    »Bedarf es dessen, um das Unrecht einzusehen?«
    Martell zuckte die Achseln. »Hm,« sagte er, »manchmal hilft es einem doch
schneller die Augen öffnen. Ich habe das erfahren bei unserm duftenden Tyrannen
da drüben und bin ebenfalls erbötig, Euch Mitteilungen zu machen, über die Ihr
erstaunen sollt.«
    »Um so besser, so berühren sich vielleicht unsere Pläne,« sagte Paul, der
erst jetzt, als Martell ruhiger geworden war, ein Wort mit drein zu reden wagte.
    Lore hatte inzwischen den Tisch abgeräumt, dem Kranken hinter dem Ofen
einige sanfte Trostesworte zugeflüstert und sich wieder an den Webstuhl gesetzt.
Auch Traugott, der die Unzufriedenheit seines Schwiegersohnes weder teilte noch
billigte, begann sein Spinnrad emsig zu drehen und mischte sich nicht in das
Gespräch.
    Martell ergriff einen Schemel, setzte sich so darauf, dass er seine Arme auf
die Lehne übereinanderschlagen und das Kinn darauf stützen konnte, und knüpfte
die Unterhaltung wieder an.
    »Da hat vor drei Wochen die verfluchte Maschine meinem Hans beim Auflesen
der Wollflocken den linken Fuß abgequetscht, ich sage Euch, so glatt
abgequetscht, als hätte einer Lineal und Winkelmass darauf gelegt! Der Fuß ist
fort, mein armer Junge ein Krüppel! Nun das kann vorkommen, das ist ein Unglück,
wie es jede Beschäftigung mit sich bringt! Der Junge hätte nicht Wollleser unter
der Maschine werden sollen, wollte er gesunde Glieder behalten! - Nicht wahr,
ich räsonnire ziemlich vernünftig und nehme durchaus
