 beschädigt hatte. Er suchte sich nun kümmerlich durch Schachtelmachen
zu nähren, eine Kunst, mit der er sich in früher Jugend bekannt gemacht und
einige Zeit abgegeben hatte. Das war aber ein so wenig einträgliches Geschäft,
dass wir allesammt auch bei größter Einschränkung kaum ein kummervolles Leben
elend hinfristen konnten. Der Vater sah dies wohl ein, allein es zu ändern stand
nicht in seiner Macht, und so half er sich selbst über die trübsten und
schwersten Stunden mit Beten und Singen hinweg.«
    »Sie lächeln vielleicht, Herr Kapitän, über die kindische Torheit eines
alten simplen Mannes,« fuhr Bianca fort, indem sie einen forschenden dunkeln
Blick auf ihren Zuhörer fallen ließ, »und doch ist dies treue Festalten an
Glaube, an Sitte und Religion das einzige unentreissbare Gut des Armen. Unsere
Zeit spottet freilich darüber und möchte gern allen Glauben aus dem Herzen des
Volkes reißen. Unsere Jugend höhnt und lästert Gott aus Überzeugung und brüstet
sich mit Verachtung aller Religion, ja sie behauptet wohl gar, wie ich oft genug
zu hören Gelegenheit hatte, so lange man Glaube, Religion und Gott nicht
abschaffe, könne es auf Erden nicht besser, könne das Volk nicht frei, nicht
glücklich werden! Manche habe ich sogar behaupten hören, unter allen
Sclavenketten, welche die gedrückte und misshandelte Menschheit mit sich
herumschleppe, sei die furchtbarste jene unsichtbare und grauenvolle, die vom
sogenannten Himmel stamme und den demütig Gläubigen zum willenlosen Werkzeuge
eines hohlen Wahnes mache! - Möge mir der Ewige verzeihen, dass ich bei Anhörung
solcher Worte und Gespräche selbst häufig Stunden hatte, wo ich mich zu diesem
fürchterlichsten aller Glauben hinneigte! Sie gingen vorüber und mild, wie
duftiger Abendwind von den Bergen meiner Heimat, berührte wieder der schlichte
altväterische Glaube meiner armen Eltern mein angstvoll schlagendes Herz. Ich
armes Mädchen will Niemand richten, da ich selbst der Schonung und Nachsicht so
sehr bedarf, aber aussprechen muss ich es, Herr Kapitän, dass der Arme, der
Darbende, der Unterdrückte ohne sein Festalten an den Überlieferungen der
Religion entweder wahnsinnig oder zum wütenden Tiere werden müsste! Nur der
Glaube und die Verheißungen des Glaubens lassen ihn den Jammer eines langen
Lebens standhaft ertragen! Nur aus ihnen schöpft er die kargen, minutenlangen
Freuden, mit denen er wie mit dem Schein einer geheiligten Lampe sein in ewige
Finsternis gehülltes Leben auf Augenblicke erleuchtet! Nur der Kraft dieses
Glaubens verdankt er selbst sein sittliches Dasein, verdankt die Welt ihr
geordnetes Fortbestehen! Könnten jene Verhöhner aller Religion, die schreiend
ihre Fahnen entfalten über den Häuptern der Armen und die flatternden Fetzen
Paniere der Freiheit nennen, könnten diese das darbende Volk zu ihrem Unglauben
bekehren, dann würde man rettungslos den Untergang der Welt hereinbrechen sehen!
Es ist wohl gut und wünschenswert
