
zusammengelaufen ist und seine höllischen Phantasien auf's wirkliche Leben hat
anwenden wollen. Grade dieser Mensch ist mir unter allen deutschen Autoren der
verächtlichste, der boshafteste, und der Hass aller Gutgesinnten wird ihn
verfolgen. Und dieser Mensch wagt es, seine unsaubern plebejischen Hände zu
einem Infanten von Spanien, zu einem Königssohn zu erheben!«
    Es war dies ein Thema, bei welchem die Gräfin immer sehr beredt wurde und
nicht selten in etwas unaristokratischen Zorn geriet. Wenn Erasmus einen
Ausbruch dieser Art bemerkte, fing er an zu husten, was ein sicheres Zeichen
seiner Unzufriedenheit war. Dann mäßigte sich seine Gemahlin, weil sie es für
entschieden roh hielt, auch nur die Ahnung an einen Streit mit ihrem Gatten in
Andern aufkommen zu lassen. Auch jetzt hustete Erasmus, da er sah, dass Herta von
den Worten ihrer Pflegemutter in tiefstem Herzen verwundet wurde. Utta brach
ihre Rede sogleich ab und reichte dem Grafen einen Teller fein geschnittener
Brödchen, als wolle sie ihm den Mund damit stopfen.
    Erasmus dankte verbindlich, drehte spielend seine goldene Tabatière zwischen
dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand und sprach zu Herta:
    »Teile ich auch nicht vollkommen die Entrüstung meiner Frau über Deine
Lektüre, mein gutes Kind, so gestehe ich doch, dass ich ebenfalls keinen Gefallen
an Deiner sonderbaren Wahl finde. Ich gebe zu, dass die neueren deutschen Poeten
gebildeter, feiner und geistreicher sind, als ihre Vorgänger, allein Geschmack,
jener unbeschreibliche Duft, der uns aus jedem französischen Geistesproduct
entgegenweht, dieser fehlt ihnen noch gänzlich. Sie wollen durch Kraft und
Ungeheuerlichkeit die mangelnde Eleganz der Form ersetzen, welche einzig und
allein nur dem Witz und freien Spiel des Geistes erreichbar ist. Sie besitzen
mit einem Worte keinen Esprit. Auch werden sie es nie dazu bringen, weil unsere
Sprache zu schwerfällig ist und sich nie die leichte Geschmeidigkeit der
französischen Sprache aneignen kann. Doch billige ich es, dass man auf diese
Bewegungen in der deutschen Literatur achtet und Teil daran nimmt, soweit es
sich mit guter Gesellschaft verträgt. Nur sei man vorsichtig dabei! Man wisse zu
sondern und lasse sich nicht von Leidenschaft und Vorurteil leiten! Wir haben
bereits recht geschmackvolle und feinsinnige deutsche Schriftsteller, mit deren
Werken ich mich selbst einigermaßen beschäftigt habe. Wieland, Herder, Goethe
haben recht liebe Sachen geschrieben. Einige ihrer Schriften würde ich Dir, wenn
Du deutsche Bücher so sehr liebst, empfehlen. Allein gegen diesen Schiller habe
ich meine Bedenken! Er ist ein entschiedener Revolutionär, gefahrvoll für die
Jugend, gefahrvoll für das ungebildete Volk! Er redet Ideen das Wort, die,
griffen sie Platz im Leben, unsere ganze Existenz bedrohten. Namentlich richtet
er seine, ich gebe es zu, furchtbaren Schwertiebe gegen die höchsten Stände
