 schüttelte
den Kopf und sah finster vor sich hin.
    »Nun ich will Dir auf die Sprünge helfen,« fuhr der Maulwurffänger fort.
»Kommt es wirklich dahin, wohin ich wünsche, dass es recht bald kommen möge, so
kann zweierlei geschehen. Entweder schlagen die reichen Herren in sich, kriegen,
wie vom heiligen Geist erleuchtet, gesunden Menschenverstand und geben ihren
Nebenmenschen, was ihnen gehört. Dann werden sie bei einigem Verlust sich ganz
wohl befinden und den Dank ihrer Mitbrüder erwerben. Oder sie bleiben verstockt
und pochen auf ihre Rechte, die ich in meiner Beschränktheit für Unrecht halte.
In diesem Falle wird man ihnen mit Gewalt nehmen, was sie im Guten nicht geben
wollen, und da kann's wohl möglich sein, dass Mancher mit samt seinem Hechelkram
von Ritterschwerten und Grafenkronen, ehe er sich's versieht, in eine Irre
gerät, aus der ihm keine Sonne mehr heim leuchtet.«
    »So dumm wird unser gnädiger Herr nicht sein, rechne ich mir,« warf einer
der Knechte ein. »Was auch Der und Jener an ihm aussetzen mag, gescheidt ist er
wie der Teufel und pfiffig wie ein Advokat!«
    »Er wird tun, was die Andern tun,« sagte Heinrich, »und in diesem
löblichen Eutschlusse habe ich ihn zu bestärken gesucht. Dafür hat er mich
belobt, wie ein Schulmeister seine Jungen, wenn sie 'was gelernt haben, und mir
verheißen, Du, mein lieber Voigt, würdest mir die Mandel Maulwürfe, die ich heut
auf Seiner Gnaden Feldern abgeknötelt habe, bezahlen. Du kannst sie zuvor
nachzählen, sie stecken in meinem Ranzen. Für diese Nacht bitt' ich mir ein
Oertel2 aus, wenn's sein kann, in der Hölle; denn morgen mit dem Frühesten will
mir der Herr Graf zu wissen tun, was er von der Sache hält und wie er dabei zu
handeln gesonnen ist.«
    Wir brechen die Unterhaltung in der Gesindestube auf kurze Zeit ab, um
denjenigen unserer Leser, die mit den Verhältnissen der Untertanen zu ihren
Herren wenig oder gar nicht vertraut sind, einige Winke darüber zu geben. Zu der
Zeit, wo unsere Geschichte spielt, waren noch alle Dorfbewohner ihren
verschiedenen Herrschaften frohnpflichtig, eine Last, die mit wenigen Ausnahmen
bis in die neuere Zeit sich erhalten hat und erst seit wenigen Jahren ganz
aufgehoben worden ist. Alle Landbewohner zerfielen in drei Klassen, in Bauern,
Gärtner und Häusler. Das Landeigentum der Bauern war sehr verschieden, doch
kann man annehmen, dass jeder Bauer durchschnittlich wenigstens zu dreißig
Dresdner Scheffel Aussaat besaß. Bei Einzelnen mochte sich dieser Besitz
verdoppeln, ja verdreifachen. Weit geringer war das Landeigentum der Gärtner,
indes immer noch groß genug, um
