, die solche Hochzeitsfeier heilig nennen! Wie glücklich, wie rein
fühlte ich mich in dem Gedanken, einem geliebten Manne zu gehören, ohne Eid und
Schwur; sein geworden zu sein in einer Stunde seligster Entzückung, in der wir
die Welt im Herzen trugen, die heiligste Welt der Liebe, die keiner geputzten
Hochzeitzeugen bedarf, weil sie das Recht zu gänzlicher Vereinigung in sich
selbst besitzt!
    Ich habe geglaubt, der Mensch bedürfe keines andern Zwanges; die Erkenntnis
des Wahren, die Liebe, das Recht, das seien die Gesetze, das sei die Religion
für den Denkenden. Ich wollte nicht heimlich tun, was ich für Recht hielt, ich
wollte nicht geduldet werden durch scheinbare Unterwerfung unter die Sitte. Frei
und stolz, habe ich gesagt, so handle ich, und ich handle Recht, weil ich weiß,
dass ich nie von dem Wege wahrer Pflicht und wahrer Ehre weichen werde.
    Ich habe nie verlangt, dass Julian sich mir mit heiligen Schwüren gelobe, ich
habe ihm niemals Treue versprochen. Schwört man denn zu halten, was man nicht
unterlassen kann, ohne in Verzweiflung unterzugehen? Hätte ich je aufhören
können, Julian zu lieben, so würde ich mich für frei gehalten haben. Oft habe
ich ihm das gesagt; oft ihn versichert, er solle frei sein von jedem Bande, das
ihn an mich binde, sobald er mich nicht mehr seiner Liebe würdig fände. Ich war
meiner so gewiss; ich hielt seine Liebe für so unwandelbar als die meine.
    Ich habe mich getäuscht. Ich habe dem Herkommen, der Sitte Hohn gesprochen,
jetzt rächen sie sich an mir. Julian, den ich frei wähnte von den Vorurteilen
der andern Menschen; Julian, dem ich rückhaltlos vertraute, verlässt mich jetzt.
Seine Liebe ist erkaltet. Er lässt sich von mir reißen durch den Tadel, den die
törichte Menge auf mich und auf unsere Verbindung wirft. Ich habe ihn verloren,
mein Leben ist damit zu Ende.
    Ich wollte sterben, weil ich nicht zu leben wusste, weil außer Julian kein
Mensch für mich lebte in der Welt; weil Alles mir gleichgültig war außer ihm.
Sterben schien mir das seligste Ruhen nach schwerem Leid.
    Da kamen Sie! - Ein Mensch! rief es in mir. Ihr Wort war mild, Ihr Ton, Ihr
Blick Erbarmen. Gott lohne es Ihnen, Sie haben mich vom Tode gerettet; Sie
wollten mich dem Leben der Kunst wiedergeben, ich folgte Ihnen gern, aber ich
vermag es nicht.
    Wie könnte ich heiter schaffen, wie könnte ich jetzt noch Andere erfreuen?
Was könnte mich belohnen, wenn sein Auge mir nicht mehr folgt, mir nicht mehr
Beifall winkt?
    Die Zeit des Spiels, des Glückes ist
