, aber haben
Sie, außer der Ihren, viele Seelen gefunden, die dieser unselbstischen Liebe
fähig gewesen sind?
    Nein, nur wenige! antwortete Terese, doch das war nicht Schuld der
weiblichen Natur, denn dieser wohnt der Trieb inne, aufzugehen in der Liebe zu
dem Manne ihrer Wahl. Es ist die Schuld der weiblichen Erziehung und unserer
missgestalteten Verhältnisse. Nicht die Liebe ist es, was die Meisten verlangen,
es ist die einträgliche Stelle einer Hausfrau, das gesicherte Dasein einer
solchen. Sie heiraten, um den Tand zu besitzen, den Flitter, an dem ihr Herz
hängt, der sie beglückt; sie wollen glücklich sein, nicht glücklich machen. Jene
Liebe, welche die Harcourt uns zeigte, die einzig wahre, die will nichts für
sich, als lieben und leben dürfen für den Geliebten!
    Nicht auch dem Geliebten ganz zu eigen sein, ihn ganz ihr Eigen nennen?
fragte Alfred. Glauben Sie, dass es eine wahre Liebe gibt, die nicht nach
gänzlicher Vereinigung strebt? Ich halte das für ihr Kennzeichen. Schelten Sie
mich engherzig, eigensüchtig - ich muss es ertragen. Ich hasse alle
Entsagungsteorien. Ich will besitzen, was ich liebe, es soll mein sein und
müsste ich es der Welt abtrotzen. Ja! ich hasse sie tief, all die blasse
verzichtende Entsagung, denn wir sind sicher zum Glück, nicht zum Entbehren auf
der Welt.
    Der Mut zum Kampfe und die Lust daran mögen in der Natur des Mannes liegen,
ich besitze sie Beide nicht, entgegnete Terese. Der bloße Gedanke an große
Zerwürfnisse ängstigt mich, ich habe Furcht vor dem Urteile der Menge; ich wäre
untröstlich, müsste ich je einen Schritt tun, der die Augen fremder Leute auf
mich zöge; und ich begreife nicht, wie eine Frau es überwindet, mit der
Oeffentlichkeit in Berührung zu treten.
    Und doch haben Sie eben die Harcourt bewundert! Glauben Sie nicht, dass diese
einen Beruf erfüllt? Sagten Sie nicht eben, dass Sie sie einer großen, wahren
Liebe fähig hielten, einer Liebe, die jeder weiblichen Natur den höchsten
Adelsbrief erteilt?
    Da Terese schwieg, nahm Alfred nach einer Weile das Wort und sagte: Warum
verbergen Sie Ihr besseres Gefühl, warum wollen Sie, die eben in so großer
Seelenschönheit vor mir standen, klein sein und von Vorurteilen befangen? Ich
weiß, was Sie gegen die Harcourt einnimmt - aber gewiss, Terese, Sie haben
Unrecht.
    Das kann wohl sein, antwortete sie ihm, aber ich liebe die Frauen nicht,
welche den Mut haben, sich über Vorurteile wegzusetzen; denn dieser Mut ist
in meinen Augen eine Feigheit.
    Das ist hart! sagte Alfred.
    Teresen's Arm zitterte in dem seinen und mit
