 zu machen, das man selbst als solches empfindet. Mich könnte
ein Gut, das ich allein besäße, während alle Andern darben, nie recht erfreuen,
und am vollkommensten würde ich es genießen, wüsste ich Alle eben so zufrieden
als mich selbst.
    Es ist anziehend und lehrreich zugleich, sagte der Präsident, wenn wir die
Beweggründe kennen lernen, aus denen in den verschiedenen Menschen die
Freisinnigkeit entspringt, die eben noch nicht zu lange unter uns heimisch ist.
Wir können uns nicht verbergen, dass bis zur Julirevolution Deutschland in seinem
poetischen Halbschlummer sich von den Ereignissen der Jahre dreizehn und
fünfzehn ausruhte und feiernd von den geschehenen Grosstaten träumte. Dann
wachte, durch den Hahnenruf im Westen geweckt, unser teures Vaterland auf und
rieb sich zehn Jahre lang die Augen, während unsere Nachbarn jenseits des
Rheines ein tüchtig Stück Arbeit beendeten und einen weiten Weg zurücklegten.
Nun ist der Tag auch für uns angebrochen. Jeder sieht die Freiheit in der Ferne
schweben und wünscht sie dem Vaterlande als Schutzgöttin zu erobern, denn die
Göttliche findet auf den verschiedensten Wegen Zugang in die Seelen der Besten.
Alfred betet die Freiheit an, weil er den Menschen liebt und die Freiheit schön
ist; Teophil, weil sein weiches Gefühl es nicht duldet, Unglückliche zu sehen,
während er glücklich ist. Noch Andere erwarten von ihr Erlösung aus Ketten, die
sie drücken; bei Vielen ist es das angeborene Rechtsgefühl, das sie der Freiheit
entgegenführt. Aber fast Alles, was geistig frisch und tüchtig ist, wendet sich
ihr zu. Da ist es wohl zu hoffen, dass sie den Forderungen, den Bitten und
Bestrebungen sich ergibt und dass auch wir sie bald als Herrscherin neben dem
königlichen Beherrscher, dem Verstande, bei uns tronen sehen werden.
    Dass Edelleute wie Sie, sich solchen Theorien zuneigen, sagte einer der
Gäste, ist mir auffallend. Wie können Sie wünschen, dass man uns die Vorrechte
entzieht, welche uns das Verdienst unserer Väter erwarb, wenn wir des Erbteils
würdig sind? Ich betrachte vielmehr Denjenigen, der sich dieser Rechte
entäussert, wie einen Verschwender, der sein Gut leichtsinnig von sich wirft,
wenn Sie den Vergleich entschuldigen wollen.
    Sehr gern, meinte der Präsident, besonders da er uns nicht trifft. Denken
Sie, Sie besässen ein Kapital, das vor grauen Jahren einer Ihrer Vorfahren
rechtmäßig erwarb, das aber von den Nachfolgenden durch Unredlichkeit, durch
wucherische Zinsen, die sie von Ununterrichteten erpressten, ins Unendliche
vergrößert ward. Nun käme Einer von den Beeinträchtigten und spräche: Ich will
dich nicht arm machen, aber du sollst mir zum Ersatz für Alles, was die Deinen
mir so lange entzogen, nur so viel geben, als ich bedarf, um durch mein Bemühen
eben so reich
