 und sehr verlegen hing er sich an Teresen's Arm, die
begütigend Besserung für ihn verhieß. Als er bald darauf, von Agnes gerufen, zu
dieser ging und die Gesellschaft sich in den Esssaal verfügte, sagte Julian, der
besorgt Teresen gefolgt war, als sie mit Frau von Reichenbach sprach, und nun
die Letztere zur Tafel geführt hatte: Mir scheint es unrecht, gnädige Frau, dass
Sie den Knaben öffentlich tadeln. Er hat ein reges Ehrgefühl, Sie tun ihm wehe
damit und bessern Nichts.
    Der Meinung bin ich auch! bestätigte Alfred. Es kommt überhaupt durch zu
vieles Erziehen nichts Kluges zu Stande. Man künstelt und biegt an der
menschlichen Natur zu einer Zeit, in der noch alle Anlagen wie die Blume in der
Knospe verhüllt sind. dabei kann man zu leicht störend eingreifen und verderben,
statt zu fördern. Wenn man die Kinder nur vor schädlichen Einflüssen bewahrt, so
tut in den meisten Fällen die Natur das Nötige und Alles, was sich aus dem
Individuum selbst entwickelt, ist ihm angemessener, als wir es zu machen
verstehen.
    Es haben allerdings viele bedeutende Männer ihre Erziehung selbst gemacht,
wie die Geschichte uns lehrt, sagte Terese, die sich zwang, wenigstens mit
einer gleichgültigen Phrase an der Unterhaltung Teil zu nehmen.
    Was die Geschichte lehrt, weiß ich nicht, entgegnete Karoline, gereizt durch
die abweichende Meinung der Übrigen. Ich habe leider in meinem Leben nicht die
Musse gehabt, mich viel mit Studien zu beschäftigen. Meine eigne Erfahrung und
meine Beobachtungen haben mir aber gezeigt, dass Kinder, die man nicht streng
erzieht und beständig überwacht, verwildern und misraten. Darin ist die
Einsicht einer Mutter, wie ich glaube, sicherer als die Geschichte.
    Es lag eine solche Bitterkeit, ein solcher Spott in ihren Worten, dass es
Allen, die sie hörten, auffiel. Wie kann man so unliebenswürdig sein, sagte
Agnes ganz erschrocken zu Teophil, der ihr Nachbar war: Ich fürchte mich vor
der Frau, obgleich sie eigentlich schön ist, und ihr Mann und Felix tun mir
immer leid. Ich weiß nicht, was es ist, aber sie hat etwas Zurückstossendes.
    Zurückstossend? meinte Frau von Barnfeld, die gute Reichenbach ist ja heute
ganz charmant; was wollen Sie denn, Agnes? Ich habe sie schon ganz anders
gesehen. Dass sie ewig von ihrer Würde als verheiratete Frau und von ihrer
Kindererziehung spricht, wie ein pensionirter General von seinen Feldzügen, das
wollte ich ihr gern verzeihen, das ist nur langweilig. Mich verdriesst und
betrübt es aber, dass der liebenswürdige Alfred seine ganze Heiterkeit eingebüßt
hat und für uns ganz verloren ist, seit der Ankunft seiner Frau. Er ist nicht
mehr derselbe Mann.
    Es ist allerdings
