 Sie Ihren Vorsatz ausführen?
    Sie sollen noch heute den Beweis davon erhalten, wenn es in meiner Macht
steht, entgegnete Terese, während sie Karoline begleitete, die sich entfernte.
    In völliger Erschöpfung fiel sie in den Sessel, der ihr zunächst stand; sie
wollte einen Plan fassen, ihre Gedanken ordnen, aber eine Stumpfheit ihrer
geistigen und körperlichen Kräfte hinderte sie daran. Sie hätte es für eine
Gnade des Himmels gehalten, wenn eine Ohnmacht ihr auch nur für wenige
Augenblicke das Bewusstsein des Elends genommen hätte, das über sie
hereingebrochen war und gegen das anzukämpfen ihr die Kraft fehlte. Sie fühlte,
dass sie einen Entschluss fassen müsse, um sich jene Achtung vor sich selbst zu
erhalten, die im Stande ist, uns über das schwerste Leid hinwegzutragen. Es war
ihr als müsse sie beten um Kraft, aber die Stimme der Vernunft in ihr fragte:
Warum beten um Etwas, das die Natur dir gegeben hat? Warum Hilfe erwarten, wo du
sie dir selbst gewähren kannst? Du musst wollen und du wirst können.
    Und der starke Wille, das Rechte zu tun, trug auch jetzt den Sieg über die
Schwäche davon. Sie richtete sich empor und überlegte, wie sie Dasjenige am
besten erreichen könne, was sie für ihre Pflicht hielt, als Alfred selber sich
bei ihr melden ließ. Er hatte den Präsidenten gebeten, ihn mit Terese allein zu
lassen und nicht durch seinen Einfluss das Urteil der Schwester zu bestimmen.
    O gut, dass Sie kommen! rief sie ihm entgegen: gut, dass ich Sie sehe!
    Plötzlich stockte sie. Was hatte sie denn eigentlich im Sinne? Sie wollte
Alfred bitten, zu seiner Frau zurückzukehren, sie wollte ihm sagen, dass sie ihre
gegenseitige Neigung, ihr Verhältnis für ein strafbares halte; aber das hieße
ihm ja eingestehen, dass sie ihn liebe, dass sie auf die Zukunft unbewusst
Hoffnungen gebaut habe, vor denen sie jetzt errötete. So gedemütigt, wie sie
sich vor Karoline gefühlt hatte, so beschämt stand sie vor Alfred, als dieser,
ihr Schweigen benutzend, ihr in raschen beredten Worten nochmals seine Liebe
gestand und sie beschwor, die Seine zu werden.
    Wir waren verblendet, Terese! sagte er, als wir uns sträubten, dem Zuge zu
folgen, der unsere Seelen zu einander führt. Ich schuf mir eine Welt von
eingebildeten Pflichten, die ich schlecht erfüllte, denn mein Herz erkannte sie
nicht an und hatte keinen Teil an ihnen. Wir haben entsagen wollen und haben
davon gelitten. Haben wir zu entsagen vermocht? Glüht nicht die heftigste
Leidenschaft für Sie in meiner Brust? Fühlen Sie nicht, trotz aller Kämpfe, dass
Sie mich lieben? dass wir nicht glücklich sein können ohne einander? dass
