 wert.
Ich weiß, dass er Dich liebt, dass Du all Deine Kraft bedarfst, seinen Wünschen zu
entfliehen und dem Verlangen in der eigenen Brust. Du trägst die Nonnentracht
unter dem farbigen Kleide; Du hast entsagt mitten in dem fröhlichen Gewühl der
Welt. O! wäre ich gewesen wie Du, dann brauchte ich nicht zu büßen, was ich
nicht allein gesündigt.
    Wer sind Sie? Um Gottes willen, wer sind Sie? rief Terese erschüttert und
ergriff die Hand der Nonne, damit sie ihr nicht entschlüpfe.
    Eine Unglückliche wie Du, deren Herz an hoffnungsloser Liebe verblutet,
antwortete die Nonne, indem sie Teresen's Hand an ihr Herz und dann an ihre
Lippen drückte. Mit diesem Kusse bitte ich Dich um Vergebung, wenn ich Dich je
betrübte. Ich scheide von der Welt, lass mich die Gewissheit hinübernehmen in die
Einsamkeit, dass Du mich nicht verachtest; dass Du mich für eine Unglückliche,
nicht für eine Ehrlose hältst.
    Sie sind - - rief Terese -
    Aber die Nonne fiel ihr in das Wort: Du weißt wer ich bin, nenne meinen
Namen nicht; sein trauriger Klang passt nicht zu dem heitern Feste. Gib mir Deine
Hand als Segenszeichen, lebe wohl und Gott behüte Dich!
    Sie ergriff nochmals Teresen's Hand, die sie bebend drückte, trat schnell
hinter eine Gruppe von Masken, die sich vor ihnen gesammelt hatte, und Terese
vermochte sie nicht zu entdecken, obgleich sie ihr folgte. Man demaskirte sich
in diesem Augenblick, wodurch ein so buntes, fröhliches Gewühl entstand, dass der
Einzelne sich leicht darin verlieren konnte.
    Viele Herren hatten gespannt auf den schwarzen Domino und die Italienerin
geblickt. Jetzt, da sie die Larven abnahmen, begrüßte man freundlich den
Präsidenten, während man bewundernd Agnes betrachtete, die strahlend vor
Vergnügen, Schönheit und Jugend, sich mit kindlicher Schüchternheit auf seinen
Arm stützte. Von allen Seiten fragte man Julian, wer seine Begleiterin wäre. Man
wollte ihr vorgestellt sein und er genoss heiter den Triumph, das schönste
Mädchen des Balles als seine Dame aufzuführen.
    An jenem Tage, als Agnes so sehnsüchtig nach dem Balle verlangt hatte, war
der Gedanke an diese Überraschung in ihm aufgestiegen. Er war zu dem Schneider
gegangen, der für Agnes gearbeitet, hatte ein reiches, geschmackvolles Kostüme
für sie bestellt, die kostbarsten Spangen und Nadeln gekauft, und als Terese
auf den Ball gefahren, da war er mit seinen Schätzen vor Agnes hingetreten. Sie
hatte den Andern traurig nachgeblickt, keine Hoffnung mehr gehabt und vergebens
überdacht, was jene Worte des Präsidenten bedeutet haben mochten, auf die sie
ihre Aussichten gebaut. Um so größer war nun ihre Überraschung, ihr Entzücken
gewesen, als Julian die prächtige Kleidung
