 hübsch und natürlich, meinte
Alfred.
    Das ist für mich ihr größter Reiz! sagte der Präsident. Wenn ich an
Sophien's Genialität mit Bewunderung zurückdenke, wenn das tiefe, durch Welt-
und Menschenkenntnis gebildete Wesen meiner Schwester mir Achtung gebietet, oder
wenn die neckische Sorglosigkeit Eva's mich belustigt, so muss ich mich oft
wundern, wie der Zufall hier in unserm Kreise gerade drei Frauen nebeneinander
stellte, die man als die Resultate unserer socialen Verhältnisse auf die Bildung
der Frauen in den höheren Ständen bezeichnen könnte.
    
    Ich habe die Bemerkung ebenfalls gemacht, meinte Alfred, mochte sie Dir aber
nicht mitteilen, weil Deine Schwester dabei beteiligt war. Eva ist eins von
den vielen harmlosen Mädchen, die von ihren Müttern für den Heiratsmarkt
erzogen und mit jenen oberflächlichen Reizmitteln geschmückt worden sind, die
die Käufer anlocken und blenden. Wie leer diese armen, kleinen Odalisken selbst
dabei ausgehen, wie ohne innern Halt sie dabei bleiben, wenn das Leben ihnen
später eine ernstere Seite zeigt, das berücksichtigen die Mütter eben so wenig,
als die Prediger der Frauenemancipation an das Elend denken, in das sie Naturen,
wie Sophie stürzen. Herausgerissen aus der schönen Begrenzung der Sitte, der
Gewalt ihres Liebesbedürfnisses, der wechselsuchenden Leidenschaft des Mannes
überlassen, müssen gerade die reichsten Frauenherzen am schwersten darunter
leiden und ewig sehnsuchtsvoll nach jener reinen Höhe blicken -
    Alfred hielt inne, weil ihn eine unüberwindliche Scheu abhielt, von Terese
zu sprechen. Julian bemerkte es und sagte: Du meinst nach der reinen Höhe der
Weiblichkeit, auf der meine Schwester steht?
    Alfred bejahte es und Jener meinte: Damit ist es auch ein eigen Ding! - Ich
fühle, dass Terese geschaffen ist, durch ihr Herz, durch ihren Geist das Glück
eines Mannes zu machen, und doch, so sehr ich dies anerkenne und sie liebe,
gestehe ich Dir, ich würde mir vielleicht eine weniger selbständige Natur zur
Frau erwählen. In ihrer selbständigen Durchbildung liegt mehr Emancipation
verborgen, als in Sophien's ganzer Vergangenheit.
    Das heißt, sagte Alfred lebhaft, jene edle Entwicklung aller weiblichen
Seelenkräfte, welche die Frau zur schönen Ergänzung des Mannes, zu seiner
wahrhaft würdigen Gefährtin macht und -
    Dem Manne das reizende Vorrecht entzieht, die Geliebte zu beschützen, ihr
Alles in Allem zu sein, unterbrach ihn Julian. Eben diese Art von weiblicher
Vollendung hat für mich doch auch ihre Bedenken. Das ist in unsern Verhältnissen
so geworden, es hat sein Gutes, aber man wird manchmal aller Zivilisation müde
und verlangt Natur. Solch ein Naturkind ist Agnes. Ich habe Eva einmal scherzend
mit Champagnerschaum verglichen; Agnes ist der klare Bergquell, aus dem ein
Trank uns Labsal wird, wenn unsere überreizten Nerven nach Erfrischung
schmachten; sie ist
