 der Revolution; der Strom des Unheiligen darin ist zu stark,
und die ihm widerstehen, die werden darin untergehen. Das Große zu bewirken kann
man immer nur die heiligsten Mittel ergreifen, wo aber zum edelsten Zweck ein
unheilig Mittel dient, da ist er verloren und erzeugt nur Übel«, sagte sie. Sie
war so schön vom Feuer ihrer Rede und von der Morgenluft. Du hättest sie lieben
müssen, ich auch liebte sie, und sie sprach weiter: »Wer das Große tut aus
reinem Genie, nämlich ohne sündhafte Vermittlung der eignen Schwäche, die ja
doch das Große nicht zu fassen vermag, der kann nicht untergehen. Umstände,
Zufälle, Geschicke reichen diesem aus. - Seine Größe muss alles decken, erzeugen,
zaubern. War unser König wirklicher König, der nur seine Kraft sammelte durch
das Genie, das immer heilig ist. - Wer konnte ihm widerstehen! Nicht die Nation!
- Geist ist alles, er ist die Macht des Heiligen - er fühlt sich, und dies
Gefühl eben macht ihn zum Herrscher. Die Zuflucht aber zu fremden Mitteln ist
unheilig, und sei der Zweck auch noch so edel und groß, er wird nie verehrt, er
wird unter den eignen Trümmern begraben. - Und die Welt sieht das alles mit
Staunen an und gewöhnt sich zuletzt an die umgestürzten Trümmer, und baut ihr
herabgewürdigtes Leben darauf fort.« - Wie die Frau das alles sagte, so fühlte
ich mich so sehr beklommen vor ihr, und wie ich sah, dass sie keine Tränen wollte
fließen lassen, ging ich zurück hinter einen Baum und sah mich nicht mehr um
nach ihr; sie stand bald auf von dem Stein, wo sie gesessen hatte, sie sagte
noch zum Abschied, ich solle immer bedenken, dass jeder Mensch das Recht habe,
der größte zu werden, und dass darin die ganze Erziehung der Seele begründet sei,
- und dass dazu nicht die äußere Größe und Anerkenntnis gehören, aber die
Geschicke, die seien der Tempel aller Größe und ihr eigenes Geschick beweise es,
dass sie diesen Gedanken immer vor Augen gehabt, sie wolle groß werden in ihrem
Schicksal. »Cette pensée est mon pilote«, sagte sie, »et il me menera par tous
les mondes et cieux!« - Ich vergaß Abschied zu nehmen, ich sprang zwischen den
Hecken fort. Wie ich mich nach ihr umsah, stand sie noch da, ich winkte ihr mit
dem Sacktuch, sie nickte mir und ging weg, und jetzt legte ich mich an die Erde
und ließ mein Herz ausklopfen.
    Ich war gestern in Frankfurt, es war ein Herr Burckhard da, der uns viele
schöne Bilder und Handzeichnungen zeigte, es waren meistens italienische
Gegenden.
