, sondern es fesselt die Sinne an eine schon
im Werden vergehende Gewalt.
    So träume ich, so denke ich, wenn ich manchmal in der Nacht aufwache und der
Mond scheint ins Zimmer, wenn das immerwährende Treiben in den Wolken die Frage
an mein Geheimnis richtet, was wird wohl aus meinem Leben werden? - Viel soll
daraus werden, geb ich den Wolken zur Antwort, aller Kampf und Widerwärtigkeit
in der dunkeln Flut der Seele rinnt in der Schöpfungskraft der Zukunft entgegen.
Vieles übt das Mondlicht in mir, wie ein dichterisches Genie sieht es und denkt
für mich und übt Talente in meiner Phantasie und erhebt mich so hoch über mein
Sein, dass ich gleichsam das Bewusstsein davon verliere und in dem Spiel mich
selbst gar nicht mehr herausfinden kann. Ach, welche schöne Träume, - ach, wenn
ich denen nachkommen könnte! Aber wenn der Mond untergegangen ist und der Schlaf
hat mich überfallen, dann beim Erwachen ist keine Spur mehr von diesem Zauber in
meinem Geist. Die Veilchen, die kleine Goldstickerin, von der ich Dir im vorigen
Jahr schon manchmal sprach, die hat mir von manchen jüdischen
Religionsgebräuchen erzählt; wenn der Jude den Neumond erblickt, dann sammlet er
seinen Geist, als wolle er seiner Zauberkraft sich unterwerfen. - Und der Jude
klagt ihm und betet, dass ihn der Hass gegen die Feinde nicht verblende, und dass
die Verachtung dieser ihn nicht niederdrücke; und er stellt sich vor dem
Richterstuhl des Mondes, und auf seinen Heimwegen aus Fremde, da öffnet er sein
Gewand dem Neulicht, dass es seine Brust bescheine. Möchte es auch nichts als
bloß Gebrauch sein, so deutet es doch darauf, dass er will zu einer höheren
Sphäre emporgehoben sein durch den Neumond, er verlangt von der Gewalt der
Natur, dass sie ihn erhebe. Wie schön ist dies und wie viel wahrer, als wenn ich
ein Register mache meiner Sünden und mir diese schlimme Rechnung auszulöschen
erbitte von Gott! - Klemens, ich habe mir dies aus der jüdischen Religion
angenommen, oder es ist vielmehr in mich wie ein Blitz hereingefahren, dass ich
zu dem Mond eine Ehrfurcht hege und ein Vertrauen und ich könnte Dir noch viel
mehr sagen, aber auch von den Türken habe ich gelernt das Abwaschen; wenn ich
abends meine Hände wasche, so dient mir das statt Abendgebet; es macht mich
unendlich heiter beim Schlafengehen; - als liege ich in der Wiege einer
schöneren Welt und als werde ich aus dieser Wiege herausfliegen und - jetzt
schweig ich, Klemente, denn Du sollst Dich nicht verwundern über den Trieb
solcher Eigenheiten, es ist ja auch nichts Tiefes, es ist nur ein leises
Berühren mit der Natur. Und was mögen wohl andere für Gesichte und innerliche
Seltsamkeiten haben
