 von andern und meine Liebe würde gar nicht ein sehnendes Verlangen,
sondern eine wirkende Macht sein. Klemens, ich bin dumm, dass ich solche
Gewaltsgedanken habe, und sage mir oft: »Das ist Dichtung, Du willst aber nicht
bloß aus feuriger Einbildungskraft Dich selbst erdenken wie Du sein möchtest,
sondern Du willst selbst sein.« - Prüfungen und Gefahren bestehen, die aus der
Tätigkeit hervorgehen, das ist Tugend üben, daraus geht das wirkliche Sein erst
hervor. Tugend ist also das Werden, das Sein aber ist Allmacht. - Klemens!
Welche Sehnsucht habe ich zu diesem Sein! - Aus sich selbst handeln, fühlen, dass
man das Schicksal beherrsche, weil alle Keime zu allem, was mir widerfahren
kann, durch mein Tun lebendig werden und zum Blühen kommen und zu Früchten
werden muss. - Mit andern Worten vermöge meines Charakters und meiner Kraft
handeln und, was ich überschaue, auch bemeistern in meinem Innern; das scheint
mir der Herd des Lebens oder der Altar, auf dem die Opferflamme alles Irdische
verzehrt dem innern Gott zu Ehren, und ich will dies immerhin Religion nennen,
obschon dies ganz und gar das innerste tiefste Wurzellager ist des Geistes,
während Religion doch eine über uns selbst erhabene Einwirkung auf uns übt.
    O Sonne schein hernieder und helle mir den Sinn auf, und dass ich nicht
schüchtern vor dem Schatten fliehe, und dass die Zukunft nicht einst wie ein
schwerer Hammerschlag auf meine Vergangenheit falle und sie als nichtig
zusammenschmettere! - Klemens, da siehst Du, wie das in mir ist, was andre
Menschen mit Gebet ersetzen, ich auch rufe an ein himmlisches, aber kein mit
Tugenden (die ich in mir nicht umfasse) ausgeschmücktes Phantom! - Ich rufe an,
alles was meine Tätigkeit reizt, ich sage mir, du willst alles, was aus der
Natur des Menschen entspringt, mutig ertragen, du willst mit rechter Erkenntnis
dich von der Erkünstlung und der Verstimmung des menschlichen Geistes ablösen
und diese überwinden. Und dann sag ich mir: Wer ist Gott? - Gott ist die
Zukunft! Wen diese nicht göttlich an sich reißt, dass er sich von den Ketten
befreie aller Vergangenheit und in der Zukunft ganz aufgehe, den führt's nicht
zu Gott. Ich weiß und fühle, dass ich recht habe! - Denn dies allein löst alle
Ungleichheiten des Glückes auf. Weltbegebenheiten, die gefährlich aussehen für
die Ruhe und die Gegenwart, die wallen da als reiner geistiger Strom zwischen
politischen Ufern, die von schwarzen stupiden Geistern bevölkert sind, dem
Göttlichen zu; das heißt: dem die Freiheit zeugenden Gott. Politik aber ist ein
aus sehr beschränktem Interesse hervorgehendes sehr stupides Handeln und führt
nicht zu Gott, nicht in die Zukunft
