 auch nur kindisch herauskommt und ganz unerfahren? - Ach, was nützt
Erfahrung? sie verführt nur dazu, dass die Leute mit Eigensinn an dem einmal
Festgestellten hängen und durchaus sich nicht zugestehen, dass die Vernunft das
Bessere oder das Wahre erfinde. Zu was nützt es denn, einen forschenden Geist zu
haben, wenn es nicht wäre um die Mittel zu einer neuen Schöpfung zu finden,
worin dieser Geist als in einer Ordnung, die von ihm ausgeht, die zugleich ihn
trägt und ernährt, das Göttliche schafft. - So groß und einfach wie ich mir das
alles denke! Wie könnte ich je glauben, dass ich selbstgedachte Ideen über Welt
und Menschenwesen würde können geltend machen? - Und doch muss ich mich dem
hingeben, als sei es der Fußpfad, der durch unbewanderte Gegenden mich leitet,
vielleicht über gefahrvolle Klippen, die aber in mir Kräfte bilden, mit welchen
ich vielleicht manches erwerben könnte, wovor andre zurückschrecken und
erbleichen, ich aber nicht. - Wenn ich manchmal still stehe und mich nach andren
Menschen umsehe, so fühle ich, wie ich mit ihnen nicht zusammenstimme, wenn ihre
Herzen von außen her erschüttert und berührt werden, dann zeigen sich Tugenden;
das ist ja aber der Zufall, der hier wirkt, was ist das aber, eine Tugend des
Zufalls? -
    Ich möchte Dir alles vertrauen, was mir im Herzen liegt, aber es liegt so
viel drin, was ich selbst nicht erkenne. Ich möchte beinah sagen, alle Tugend
sei mir zuwider! - Ja! - Ich glaube dies, dass der Mensch ganz das Echte sein
soll und nicht das Unechte. Tugend ist ja aber, was von dem Unechten sich
gestaltet als eine Seeleneigenschaft, die wir in ihrer Übung Tugend nennen. Wenn
aber die Echteit der große Ozean wär, der zwar alle Strömungen in sich
aufnimmt, nie aber überwallet, sondern alles umfasset? - Können wir dann sagen,
der Ozean ist tugendreich? - (flüssereich) oder nur: der Ozean ist er selber! -
Sein und Werden ist zweierlei, das sag ich mir auch, und Werden ist für das
wirkliche Leben Kraft fühlen und diese anwenden, und nicht bloß sich zum Helden
träumen. Und dies ist, was mich oft vor mir erschreckt, dass ich im Lande der
Phantasie mir eine große Rolle auserwählt habe, die ich zwar ohne Gefahr spiele,
die aber nicht die Wirklichkeit berührt. - Wie mache ich's, dass ich aus dieser
Verbannung des Wirklichen erlöst werde? Dann wär ich nicht mehr traurig, wenn es
mir deutlich würde, was ich will, kann und soll! Dann würde ich mich mit den
Plänen meiner eignen Gedanken beschäftigen; die Welt wäre mein, ich brauchte
nichts
