 auf der Sekunde des Grundtons:
Quintsextakkord,
    die zweite auf der Quart: Terzquartakkord, die dritte auf der Sext ist der
Sekundenakkord.
    Ich hätte dies sollen in mein Studienbuch schreiben, ich will Dir nur
zeigen, dass ich studiere. Ich kann leichter eine Melodie erfinden als sie in
ihre Ursprünglichkeit auflösen. Innerlich ist alles tiefer zu fassen in der
Musik als sich ans Gesetz zu halten; dies Gesetz ist so eng, dass der
musikalische Geist jeden Augenblick es überschwemmt.
    Was mich selber bilden soll, das muss aus mir auch hervorgehen, drum möchte
ich aller Teilnahme ausweichen und allein mit mir fertig werden. Es kommt mir
wie Frevel vor, dass ich mich einer Leitung hingebe, die vielleicht das
Ursprüngliche in mir verleitet. So war's mit der Gachet, und was Du über
Freundschaft sagst in Deinem Brief, das macht mich flüchten vor ihr. Gäb es
Höhlen und Verberge, in die man sich könnte zurückziehen vor gewissen
Gefühlsanrechten, ich würde dahin flüchten. Ich schaudre vor solchen Allgewalten
des Daseins, sie erregen die Eifersucht der Eigentümlichkeit; Freundschaft ist
aber gewiss eine die höchsten Seelenkräfte verzehrende Schmarotzerpflanze. Ich
soll doch mein eigen werden, dies ist doch der Wille meines Ichs, denn sonst wär
ich umsonst; dies eine, was mich eigentümlich aus dem Gesamtsein heraus bildet,
das ist der Adel des freien Willens in mir; anders kann ich's nicht ausdrücken.
- Sich dem Begriff und Willen eines andern unterwerfen, der auch kein Selbstsein
hat - denn sonst würde dieser Wille nicht die Geistesnatur des Freundes zu
seinem Herd wählen, sondern in sich selber aufflammen, - das ist Verzichten auf
diesen Adel des freien Willens. So steht das in mir fest, dass ich den nicht
aufgebe. Die Freundschaft behauptet zwar, die edlere Natur im Freund
hervorzurufen; wie aber kann dieser Adel des Willens sich bilden, wenn nicht in
sich und durch sich selber? Raubt da die Freundschaft nicht die Kraft der
höchsten Tätigkeit dem Freund, der dann nicht mehr den Willen in sich trägt des
besonderen Seins? - Die Freundschaft hat ihn ausgelöscht. Held sein ist nicht
befreundet sein, Selbstsein ist Held sein; das will ich sein. Wer selbst ist,
der muss die Welt bewegen, das will ich. - Dies helle Selbstsein soll nicht
verdunkelt werden durch den Schatten der Freundschaft; ich brauch das nicht, ich
kann den Sonnenbrand vertragen, und Freundschaft ist Brudermord. -
    Ich hab zu fechten mit meinen Gedanken, sie fahren gleich auf und wollen
immer recht haben.
    Am Generalbass hab ich auch meinen Ärger. Ich möchte diese Gevatterschaft von
Tonarten in die Luft sprengen, die ihren Vorrang untereinander behaupten, und
jeden, der den Fluss der Harmonien beschifft, um
