
Auffallend ist es zu bemerken, wie er immer zu triumphieren scheint, und wie
dieser scheinbare Sieg manchen an dem Kampf nach dem Vortrefflichen erlahmen
macht, der sich dann in den Sold begibt, der für kein Vaterland und keinen
Himmel streitet, der nur kümmerlich das Leben erwirbt und keinen Himmel. Doch
scheint er dies nur, und so sehr uns oft der unwillige Ausruf gerecht scheint,
die Kunst gehe betteln und die Dummheit grase, so halte ich ihn doch für die
Erfindung einer sehr gemeinen Ansicht, und er hat sich auch schon als solche
charakterisiert, da er nun schon ein Gemeinplatz geworden ist. Die Kunst geht
nie betteln, wohl aber der Künstler, würde Kotzebue sagen, um aus seinem
Reichtum zu beweisen, dass er kein Künstler ist. Wenn die Kunst betteln geht, ist
es meistens nur ein Beweis, dass sie arm ist, denn die wahre Kunst beherrscht
alles und öffnet alle Schätze, der selbstische Künstler aber, der aus Kaprize
oder Unkenntnis nur für sich selbst dichtet, er mag darben und muss gern darben,
um nicht erbärmlich zu sein.
    Nun aber haben wir jetzt keine allgemeine Kunst und ist bloß eine Zeit des
Krieges in der Bildung, drum gehen viele Künstler arm herum mit ihrem Reichtum,
und mit Recht mögen jene keine Leute machen, die nur aus Bosheit, Unsitte und
für kein Vaterland mitstreiten. Es ist eine wahre und sehr würdige Reflexion,
dass die Welt keine moralische Anstalt ist, wo ein Geschöpf das andre aufmuntern
soll, so dass gleichsam der Elefant dem Esel nichts als ein gut Beispiel sei, ein
Elefant zu werden, und so fort; denn die Progression geht nicht auf Erden, im
Leibe - sie geht im Geiste vor. Auch geht die Bildung nicht feldeinwärts oder
der Quere, sie geht in die Höhe anbetend und in die Tiefe forschend. Jedes
Geschöpf ist als Kompositum beschränkt und als vollkommen mehr oder weniger
frei; in es selbst aber ist sein Geist gesetzt, der, insofern er nur empfindet,
als er nur in sich selbst ist, sich selbst als den Mittelpunkt des Ganzen
betrachtet. So ist der Dünkel jedes Standes zu entschuldigen; aber dem ganz
freien, gebildeten Menschen ist die stille Betrachtung erlaubt, den bloß
praktischen Menschen zu verachten; wenn er spricht: »Ich triumphiere« - denn
triumphiert ein geboren Tauber, der geigen will, aus Mode, und die Geige in den
Ofen steckt, mit den Worten: »Ist es nicht viel edler, Tabak zu spinnen und zu
rappieren, da habe ich doch was für meine Nase, ich weiß nicht, was die Leute an
dem Kolophonium riechen.«
    In eben diesen Fehler verfallen alle Menschen, die sich krankhaft oder aus
Trägheit zum Bessern zu
