 zu haben. - Sie hat gar nichts mit mir
gesprochen und Deinen Brief mir sehr freundlich in die Hand gedrückt, sie sah
mich oft ganz starr an, als wolle sie mir etwas sagen, Du kannst überzeugt sein,
dass ich mich ihr nicht zu Füßen und auch nicht um den Hals werfen werde, ich
werde alles, was ich von ihrem Geist begreife und erlerne, Deinem Urteil
unterwerfen, mein Leben und mein Glaube und die Lust, zu bekennen, was ich will
und suche, sind ja Dein, und was meine Sprache nicht auszudrücken vermag, Du
musst's finden in mir, die Dir nicht fremd ist. - Unter allen frohen Stunden
bleibt die mir am lebendigsten, wo Du mich zur Lust am Leben angemahnt. Ich
begreif doppelt rasch, ich weiß, wo mir's herkommt, dass ich in den nächsten
Lebensmoment schaue als in einen reichen Schatz, der mir wie ein Demant
entgegenbljetzt und mich begierig macht auf ihn. Der ungehemmte Lebensatem, von
dem das volle Herz getragen wird.
    Vernähme der Mensch besser, was ihm die Sterne zuwinken, so würde er sich im
Flug entfalten, und könnt ich's besser sagen, so sähest Du deutlich und klar,
der Sinn kann sich nicht ändern, er dient Dir so willig, um treu bleiben zu
dürfen, so kann er keinem andern sich zuwenden wollen, um's besser zu haben.
    Adieu, lieber Klemens, Du bist mir den Abschiedskuss noch schuldig.
                                                                   Deine Bettine
Wo bleibt denn nun jetzt die Walpurgis und die schönen Lieder der Liebe? - Nicht
wahr, jetzt bist Du nicht mehr eifersüchtig auf den Bettelmann!
                                 Liebe Bettine!
Ich danke von ganzer Seele für den beruhigenden Klang Deines Briefes, in dem
sich Selbstgefühl und Liebe so schön durchdringen. Ich weiß nun mehr über die de
Gachet, Du kannst mit ihr sein und kannst sie auch vermeiden, wenn sie Dir nicht
zusagt, denn ein Herz, was so herrlich grünt und blüht wie Deines, bedarf keiner
Seele als nur der Liebe; die hast Du von mir. Bleibe über alles Zufällige
erhaben, folge Deinem inneren Ruf, er ist zu stark in Dir, wer wollte Dich ihm
entziehen? - Es wäre Frevel, es zu wollen, da wir alle noch nicht da sind, wo
wir mit uns selbst rechten können, ob wir irgend etwas wollen sollen oder nicht,
so würde der rein als Natur hervortretende Instinkt ja nur in sich selbst
erkranken, sollte er bezwungen werden durch Reflexion, und sein Genie, die
Rettungskraft aus dem Irrtum heraus, wär ihm dadurch gebrochen.
    Dass die Welt den großen Kreislauf macht durch Irrtum und leidenschaftliche
Verkehrtheit, hat Dir selbst ja bei Deinem ersten Blick in die
