 grün im Abendschein ist die Wiege der Träume! Und jeder Halm
wiegt einen Traum, und mein Geblätter raschelt im Netz der Träume, und es winkt
dir!« -
    Ach, schweig du, Linde, es ist Nachtzeit, die Sterne glitzern durch dein
Laub und reden anderes; und das rieselt mir durchs Gebein! - Ahnung soll künftig
meine Seherin sein, und wenn ich ihr die Töne meiner liebenden Trauer geliehen
hab, um das Schwellen zu malen und das Sinken ihrer sehnenden Gewalt, so soll
sie mich wieder trösten, die, ein ewiges Meer, alle Wehmutstränen in ihren Wogen
fortwälzt, bis sie vom Trübsinn gereinigt aufsteigen als elektrisch Feuer aus
ihrem Wellenschoss. -
    »Ach du!« - flüstert die Linde - »sei nicht hoffärtig, das löst nicht den
Zauber.«
    Ich horche auf dich nicht, Linde, ich lausche den Sternen da oben! - ich hör
Musik, sie schmelzen ihr Licht ins dunkle Nachtblau, ihre Strahlen klirren im
Tanz aneinander.
    »Was du nur willst mit deinen hochstrebenden Gefühlen«, sagt wieder die
Linde; »sie langen ja nicht hinauf, komm unter meine Krone, sie schüttelt ihren
Tau auf dich, damit fühl ich dich gesegnet.«
    Ach nein, immer lauter und klarer klingen die Sterne, ich hör, wie sie
freudig ihre harmonische Verwandtschaft in die freien Lüfte tönen.
    »O wehre meinem Flüstern nicht,« sagt wieder die Linde und schmeichelt - und
meint, »was ist denn Musik der Sterne dagegen? - Wolle mich denken, du schaffest
meinen Geist durch dein Begreifen meiner Natur, dass der wieder sich um dich
winde, wie jetzt der deinige sich um mich windet, er soll dich berühren und
immer, bis deine Seele leicht und kühn sich aufschwingen lernt zu eigener Freude,
in einem Zug lieblich sprechender Töne!«
    Was sagst du, Linde? - Ist mein Begreifen deines Geistes spielende Seele? -
Linde sagt: »Meine Seele rieselt mit Schauern zu dir hinüber, weil du sie denken
magst. Denken beseelt, alle Wesen färben sich im Gedankenlicht. Was ist der
Abendschein deinen Gedanken, dass sie weit über Feld mit ihm fliegen, und weil du
ihn fühlst. Und wäre Denken nicht, so würde kein Wesen mehr beseelt sein, und
die Schöpfung würde stumm in sich versinken. Denken beseelt, und alles Wesen
erklingt in eigener spielender Farbe in seinem Licht, wodurch alles lebt und sich
unsterblich glaubt, und doch hängen sie nur vom Geiste ab, der das Denken ist.
    Wir glauben uns selbst zu erkennen als lebend, und die geheime Freude des
Werdens in uns ist doch, weil wir erklingen im Geist, der uns denkt!« -
    Sag ich wieder:
