
Dir gesagt wird, glaube nicht, denn Du weißt ja, wie andre Leute von mir
sprechen, wie auch die, welche für die besten, die edelsten gelten, nur Böses
von mir zu sagen wussten oder ahnten, und doch hast Du das nie in mir gefunden! -
Nicht wahr, liebstes Kind, das hast Du nie? - Das ist auch der Segen, der auf
Dir ruht, dass keine Ungerechtigkeit noch aus Deiner Seele geflossen ist, dass
keine Äusserlichkeit, kein Egoismus mit Deinem Gefühl wuchert oder prachert. -
Aus der Ambition entspringt manches Übel der Seele, und dies hat so böse Folgen
oft, dass ich manchmal meine, alle Lähmungen des Geistes entspringen vielmehr aus
dem Ehrgeiz, als dass dieser ihn fördert. - Großmut ist die Quelle alles
Reichtums und jeder, der sich abzuschließen wähnt, um sein inneres Eigentum für
sich allein zu bewahren und es wie einen künstlichen Springbrunnen in die Höhe
zu treiben, der wird auch einen solchen Springstrahl hervorbringen, lustig und
ergötzlich anzuschauen, und die Menschen werden sich wundern, und es wird die
Rede sein von dem famosen springenden Wasser im ganzen Land, wie von der Fontäne
auf Wilhelmshöhe! - Aber was ist es nun, wenn die Röhren, durch welche das
Wasser läuft, einmal aus ihrer Lage kommen und der Strahl versiegt, oder wenn
die unterirdischen Wasser durch Zufall und Naturereignisse eine andere Wendung
nehmen, dann steht die Fontäne mit ihren Prätensionen, bewundert zu werden, ganz
verlassen; höchstens geht die Rede durchs Land: die Fontäne springt nicht mehr!
Schade um die alte Fontäne, sagen dann die Leute, wir haben unsern spiegelklaren
Bergstrom, der sich wohltätig durch unsere Fluren verbreitet! Seht den
schiffbaren Fluss, in dem unsre munteren Bäche und Flüsse zusammenkommen, dem
gemeinsamen Leben zu Nutz und Frommen! - Da unterscheidet man sie nicht mehr
voneinander, ob dieser oder jener seine Wellen dazu hergibt, den Verkehr des
Menschen untereinander zu fördern. - So muss es sein, liebes Kind! So und nicht
anders kann das Vollkommne, das Genügende im Geist sich erweitern und verteilen
und beleben alle, die von ihm sich zu nähren berufen sind! - Und so will es sich
gestalten, seit ich meine Sophie habe! - Und mögen die Fontänen für sich
springen, solang es geht zur Bewunderung der gelangweilten Menge; trägt der
schiffbare Fluss erst die Weltbegebenheiten und die Entwicklung des Weltgeistes
auf die Höhe des Weltmeeres, in das er einströmt, dann mag die Fontäne in
verödeter Natur springen oder nicht, Schiffe könnte sie doch nimmer tragen.
Schreibe bald Deinem Klemens, der von Dir lebt, sich von Dir getragen fühlt zum
Bessern, zur Lust, das Leben zu genießen und zu beherrschen.
    Soeben kommt
