 in das, was er sich vorstellen
kann. Gewiss kommt einst eine Zeit der Erlösung, wo nicht mehr einer die Wahrheit
prophetisch oder ahnungsweise vorträgt, sondern wo die ganze Welt zugleich weiß
und empfindet, was ihr Lebensnahrung gibt, und wo sie drin wuchert, wie im
üppigen Boden die Pflanzen und Früchte wuchern! - Gedeihen des Geistes ist eine
über alle Vorsichtsmassregeln und Begriffe und Bedeutungen hinausstrebende Kraft.
- Alle Philosophie erstickt, umstrickt, und zwar mit groben Stricken, den
ungebundenen Geist. Ach, ich hab da letzt noch mit Sinclair disputiert. - Ich
kann aber nicht disputieren, ich muss mich nur totärgern, bis der Kerl fertig
ist, wo ich gleich bei der ersten hölzernen Redensart als schon außer mir komme,
ich kann auf nichts acht geben, sie sagen, ich wär eingebildet; die andern sind
eingebildet mit ihrer Repulsion und Attraktion und Potenz und Notstall der
Philosophie und Kunstreligion.
    Es gibt Menschen, die sind wie die Raupen, sie zehren nur vom Pflanzenstoff
des Geistes, wenn die sterben, so werden sie zu Schmetterlingen, die gaukeln in
ihrer Seligkeit so über den Blumen. Das, womit sie ihren Geist nährten, gab
ihnen keine andere Offenbarung der Seligkeit als nur diese! -
    Was der Geist in sich entwickelt, das wird seine Offenbarung, sein höheres
Leben! - Der Maler hat ein ganz besonders Himmelreich (Verewigung), in das er
sich durch seine Kunst hinüberübt und lernt! - Aber! aber! - Die Maler malen ja
alle daneben und nicht das, was ihnen wieder Geist gibt. Der Künstler muss ja
etwas hervorbringen, was ihn wieder erzeugt, sonst ist's aus mit der Ewigkeit.
Der Musiker komponiert ja falsch und wenn er noch so sehr den Generalbass reitet,
grade deswegen; er spielt ja Menschensatzung und nicht Überirdisches! - Der
Sänger singt ja falsch, und wenn er noch so rein trifft, er trifft ja die Seele,
das Gefühl dessen nicht, der Geist hat und auf höhere Berührung wartet. - Der
nur erzeugt die wahre Kunst, der das hervorbringt, was die Zeit zu dem erhöht,
wozu sie reif ist, um sie weiter zu reifen. - Der singt falsch, der durch seinen
Gesang nicht das göttliche Licht der Freiheit in dem Hörer entzündet, denn er
erfüllt nicht den Zweck der Kunst und gibt dem Geist Ärgernis, denn er zieht ihn
herab.
    Mit diesem letzten will ich in Deine Saiten eingreifen, von dem, was Du über
Schauspielkunst sagst. - Mir hat der Mond diktiert.
    Ich möchte der lieben Sophie auch noch was sagen, aber ich hänge vom Mond
ab, dass er mir doch einen Augenblick dazu Licht gebe! - Eben kommt er! - Licht
und
