 musste ihn ihr in ein Denkbüchlein schreiben; und ich
setzte noch hinzu: »Denken ist, die Wege Gottes beschreiten, - durch Denken
gelangt man zu Gott!« Und dies gefiel der Kurprinzess so, dass sie mich dafür auf
die Stirne küsste. - Sie redet nun oft mit mir und nennt das seltsame Gedanken,
was ich so herausplaudere ohne viel Nachdenken; so hatte ich letzt gesagt, der
Gedanke sei ein geflügelt Ross, und wer es regieren könne, der schwinge sich mit
ihm auf in die Unsterblichkeit. - Das alles will sie behalten und aufschreiben;
- immer möchte sie mehr aus mir herauslocken, als ich grade sagen kann oder mag,
denn zu geistiger Offenbarung gehört der Wille, den Geist zu entfalten. - Der
Geist ist zwar immer wandelnd, nämlich in ihm selber wandelt sich alles, was er
berührt, und davon wächst und blüht er und reift zur Frucht selber. - Unser
höchstes Wirken ist Denken, gibt es vielleicht Geister, die noch ein höheres
Wirken haben als Denken? Und was mag das sein? - Nein! Denken ist das große
Lebensmeer der Gottheit, aus dem entspringt alles Wirken! - So sag ich, und die
Kurprinzess freut sich an diesen Reden und will wissen, wo ich das alles her
habe, ich sage, das sind Hobelspäne von Gesprächen mit der Günderode, und dass
ich mich da oft durch die Gedankenfülle durchdränge wie durch eine Volksmenge,
die mich umwimmelt, und dass ich den ersten besten beim Ohr kriege, und viele
andre witschen mir durch. - Da freut sich die Kurprinzess und will mehr wissen,
und ich muss als in einem fort aus dem Ärmel schütteln. - Und der Glaube ruft den
Geist herbei, der sagt seine Geheimnisse, die Natur haucht sie aus. - So ist
jeder, der belehrt sein will, ahnungsvoll wie die Knospe, die dem Licht
aufbricht, aus ihrem Kelch duftet die Begeisterung fürs Licht. - Und das Licht
kann dieser Begeisterung nicht widerstehen, so wenig der Geist der Liebe
widerstehen kann! -
    Ich bin heute so munter, ich möchte noch mehr schwätzen! Meine Augen sehen
im Dämmerlicht sehr hell, ich schreib gern bei Mondschein, da kann ich so
vergnügt im Zimmer auf- und abgehen. Am Himmel tragen die Wolken ihre
Begebenheiten mir vor, sie ballen sich zusammen und türmen sich und schreiten
auseinander und steigen und kreuzen sich und lassen sich nieder, kurz es ist ein
Staatsleben unter ihnen. - Am meisten seh ich die Revolutionsereignisse drin!
Wollt ich prophetisch sein, ich würde mich an die Wolken halten! - Nicht, dass
sie wirklich Geschicke ausmalen könnten. Aber der Geist kann sich selber ahnen,
selber erkennen und sich selber hinüber erzeugen
