 mit einem
Menschen vertraulich werden, den ich nicht achte, während ich mit allen Menschen
vertraulich bin und gar keinen Unterschied zu machen weiß, als der sich von
selbst macht! - Manchmal bist Du doch gar zu blind über mich. - Ich kann die
Menschen gar nicht voneinander unterscheiden und soll doch mich nur an die
halten, die ich achte! - Ich könnte zu dieser Achtung sehr leicht die unrechten
herausgreifen, was soll ich sie erst lange hin und her wenden, zu dem bisschen
Umgang, das doch nichts mehr gilt als eine Prise, welche die schnupfenden Leute
sich bieten. Die Günderode und ich gehören einstweilen zusammen, bei ihr ist der
Ablagerungsplatz unserer Bemerkungen und Witzeleien; das macht sich von selber.
- Ich bitte Dich um Gottes willen, gebe doch auch Deine Stossseufzer auf um einen
lieben Mann, den Du mir herbeiwünschest, und an den Du nur denkst, wenn Du
präokkupiert bist von einer andern Liebe als der brüderlichen, wo dann, wie
natürlich, keine Zeit zu dieser bleibt. Es ist Vorsorge, geliebter Klemens, aber
glaube, dass ich keiner Stütze im Leben bedarf, und dass ich nicht das Opfer
werden mag von solchen närrischen Vorurteilen. Ich weiß, was ich bedarf! - Ich
bedarf, dass ich meine Freiheit behalte. Zu was? - Dazu, dass ich das ausrichte
und vollende, was eine innere Stimme mir aufgibt zu tun. - Die Liebe, mein
Klemente, die werde ich einfangen wie den Duft einer Blume, alles wird dem Geist
zuströmen, der nicht mehr sorgen wird, wie er sich soll zu verstehen geben; denn
im Allerinnersten ist es Tag bei mir, dagegen mir die Welt sehr dunkel vorkommt,
in der ihr glaubt, Licht zu haben, und dies Licht ist aber nur das, welches die
Philister scheinen lassen; ein garstiges schmutziges Talglicht zum Nutzen und
Besten der Bärenhäuter, zu deren Nutzen immer das ganze Leben berechnet ist. -
So gehöre ich denn in einen andern Kreis der Allgemeinheit, wo sich fassen
möchten: Kinder, Helden, Greise, Frühlingsgestalten, Liebende, Geister. - Warum
wähl ich mir diesen? Weil die mich fragen nach dem Irdischen, sie gehören zu
mir! - Da glänzen die Wolken schon im Abendrot. - Späte Rosen glühen schon in
der Halbdämmerung! Nacht gibt doch Kraft zur Unsterblichkeit.
                                                                         Bettine
Einen Gruß von Gundel.
 
                                   An Bettine
Ich habe einmal eine Geschichte gelesen von zwei Liebenden, die mutterselig
allein in einem Walde saßen, aus dem sie nicht mehr herauskonnten. Diese Leute
wandten alle Mittel auf, um der Langeweile zu entgehen, sie setzten sich
einander gegenüber auf Bäume und pfiffen und schimpften und machten sich
Vorwürfe, hatten Ängste usw.; sollten in
