 mich doch so gut
kenne, meine Erscheinung in einzelnen Minuten auch nicht gefalle.
    Ach, wär es möglich, dass eine fremde Sprache eine andre fremde Sprache mit
ihren Klängen und Wortarten so ganz decke, dass einer einen Roman in der einen
schrieb, der andre in der Meinung, es sei die andre Sprache, in ihr diesen in
der ersten geschriebnen Roman läse? - Und kriegte da eine Geschichte heraus, von
der keine Spur je geahnt oder gemeint war. So ist's mit Dir, und ich muss Deine
Hoffnungen alle niederschmettern, dass ich mich bemühen würde, »allgemein
liebenswürdig und geliebt zu werden«. Du hast mich nicht in meiner Sprache
gelesen; Du hast eine andre Natur herausgekriegt, die Dir nur dann und wann
nicht gefällt, meistens aber doch. Wenn Du aber in der meinigen Sprache mich
gefasst hättest, so würde ich keinen Augenblick Dir gefallen, nein, davon nicht,
von andern Dingen wär die Rede. Ein Gewimmel von Missverständnissen.
    Nun lasse uns noch durch den Morast der Trätscherei waten, da ich
hochgeschürzt bin und daher nicht fürchte, mich zu beschmutzen. - Und doch kommt
es mir sehr hart an, dass ich hier Halt machen muss. - Was Deine Briefe anbelangt,
so liegen sie alle mit Nummern bezeichnet in einem kleinen Schränkchen, das ich
zur Not bei einer Feuersbrunst oder Überschwemmung unter den Arm nehmen könnte
und damit das Weite suchen; ich geh an diesen Behälter nie, nur wenn ich einen
neuen Ankömmling hineinsperre wie im Kloster, heraus kommt mit meinem Wissen
keiner! - Ja, ich selbst lese sie nicht leicht wieder, wie ich sonst wohl tat,
denn eine zu große Masse von Gedanken durchströmt mich und führt mich wie ein
gelichtetes Schiff auf die hohe See, die Heimat hab ich im Herzen, aber ich kehr
zu ihr nicht zurück, ich lande unter fremden Himmelsstrichen. - So geht's mit
Deinen Briefen, sie sind meine Heimat, in ihnen bin ich geboren, aber die Heimat
hab ich verlassen. So wenig ich die Türe meiner Hütte öffnen kann hier im fernen
Weltteil, so wenig öffne ich diese Briefe, die mir geliebt, aber fern liegen. -
Versteh mich, das heißt, liebe mich darum!
    Nun will ich Dir noch vom Veilchen erzählen, Du sagst von ihr, »sie mag ein
gutes Geschöpf sein, zu der ich hinabsteige mit meiner Vertraulichkeit!« - Wer
bin ich denn, dass ich mich herablasse, wenn ich mich zu einem guten Geschöpf
vertraulich wende? - Bin ich ein Engel? Nun, die fliegen ja den guten Menschen
nach und bewachen sie auf Schritt und Tritt, aber ich glaube nicht, dass ich ein
Engel bin, ich glaub
