 seinen Besuch
Dir freundlich zu machen, die Fenster verhängtest? Ich schreib Dir heute nicht
mehr, aber ich bitte Dich, vernachlässige nicht Deinen treuen Bruder! Ich bitte
Dich, schreib, Du glaubst nicht, wie es mich manchmal packt, als könne diese
reine Freude an Dir mir verdorben werden. -
                                Lieber Klemens!
Ich sitze hier schon eine halbe Stunde und besinne mich, - nicht was ich Dir
schreiben soll; denn ich hab genug zu sagen, aber wo ich anfangen soll! Das
geschieht mir nun schon so oft, als ich auf Beantwortung Deines letzten längeren
Briefs denke. - Und sonst war das nicht so! Nie hab ich mich bedacht, es floss
mir aus der Feder! - Deine Verweise kränkten mich nicht, wenn sie auch manchmal
aus der Luft gegriffen waren, - und jetzt weiche ich dem aus, Dir zu schreiben,
alles dient mir zum Vorwand; ich gehe zur Günderode ins Stift, ich bleibe länger
bei ihr mit dem heimlichen Willen, dass es zu spät sein möge, Dir heute zu
schreiben, und so vergeht ein Tag nach dem andern; an jedem wache ich auf mit
dem Gefühl einer Tagespflicht, die ich gern hinter mir haben wollte und zu
untüchtig bin, sie zu leisten. Also, Du siehst wohl, dass es nicht Leichtsinn
war, hätte ich den nur dabei gehabt, so wär mein Brief schon längst bei Dir
angelangt. - Ich hab der Günderode davon gesagt und hab ihr (es mag Dir
vielleicht nicht recht sein) Deinen Brief ganz vorgelesen. - Sie sagte, der
Klemens spielt in einer fremden Tonart, in der Du nicht bewandert bist, in die
Du auch nie hineinkommen wirst, es ist daher nur zweierlei zu tun, entweder Du
antwortest ihm Punkt für Punkt, wie wenn Du vor Gericht ständest, wo man ja
auch, aus dem innern Lebenskreis herausgeworfen, wie ein Hund parieren muss. Oder
Du überspringst alles, was er rügt, was er frägt und empfiehlt; denn er wird
doch wohl nicht mehr von der Stimmung dieses Briefs durchdrungen sein. Ich fand
auch diesen letzten Rat vorzuziehen, allein, wo ich hier am Schreibtisch sitze
mit mir allein (denn Dein Brief hat mich isoliert, und ich weiß nichts in diesem
Augenblick vom Spielplatz geschwisterlicher Liebe), also mit mir allein hier, in
den Spiegel sehend über meinem Schreibplatz. - Da regt sich ein ungeheures
Selbstgefühl! - Klemens! Ich glaub wohl, es gibt Menschen, die sich lenken
lassen von dem Geiste anderer, ich auch, sobald dieser Geist in dem meinen
widerhallt, sobald also er den meinen zur Übereinstimmung weckt. - Diesmal tut
er das nicht, ich könnte diesem Brief wie der Inquisition gegenüberstehen, die
