, machen Dich in Dankbarkeit hinschmelzen vor dem
Kapellmeister, der überrascht von dem Eindruck, den er Dir macht, eine ganz neue
Bekanntschaft mit seinem Talent zu machen glaubt, er komponiert drauflos, weil
er eine Quelle der Erfindung in sich entdeckt, auf die er früher nicht sich
verlassen konnte! - Nun findet er, dass Du trotz Deinen Dichterlaunen ein sehr
verständiger, urteilsfähiger junger Mensch bist, Du wirst gelobt als höchst
liebenswürdig, die Sängerinnen werden begeistert, sie strengen sich an,
wetteifern! Fräulein Petersilie soll die Hauptrolle haben, sie verleugnet den
Peter zu Haus und kommt bloß als Silie. Der Name Silie bewegt Dein Dichtergenie
zu Explosionen von Begeisterung. - Kurz, es wird ein Wonnemonat, wie noch kein
schönerer war, wo Dichtkunst und Tonkunst sich vermählen! -
    Hoffmann hat hier ein Duett gemacht, wozu Du mir den Text schon früher
gabst: »Hör, es klagt die Flöte wieder, und die kühlen Brunnen rauschen.« - Ja,
wenn Dein Komponist so arbeitete wie er! - Dazu muss man aber, in eine
Einsiedelei verborgen, Blumen und Gras umher, im Schlaf versunken, nach der
Ferne lauschen, wo die rauschende Welt endlich auch betäubt ruht. - So ist aber
der gute Hoffmann, sein kränklicher, gebrechlicher Körper sondert ihn ab von den
Schwelgereien der Musiker, von ihren Weltverhältnissen und Liebeleien! - Durch
den Hoffmann hab ich manches begreifen lernen. Erst war ich als immer
verwundert, wie doch ein Mensch so ein traurig Los tragen müsse, der seinen Leib
doch nicht verlassen könne, der ihm Schmerzen macht; jetzt weiß ich's aber
anders. Der Geist überwindet alles. Und wenn der Geist kämpft, so muss er doch
stark dadurch werden. Der Geist kann nicht Wunden erliegen. »Invulnerable«, sagt
Mirabeau. Es kann nur vielleicht ihm versagt sein, sich geltend zu machen! -
Aber vielleicht ist der Leib die verschlossne Werkstätte, in der der Geist zur
höchsten Stufe der Bildung gelangt; und wenn er erst durchgeläutert und geglüht
als vollendetes Kunstwerk seiner selbst, zugleich mit dem Lebenskeim zu einer
höheren gewaltigeren Bildung versehen, neue Welten durchdringt - was ist's da,
dass in dieser Welt die Krankheit wie ein böser Traum ihn anflog. - Guter
Hoffmann! - Ich höre sein Klavier bei offenen Fenstern in die Mondnacht rauschen!
Er denkt gewiss, ich lieg im Bett und hör ihm zu! -
    Gute Nacht, morgen schreib ich weiter, weil Du einen so langen historischen
Brief verlangst. -
    Den wollt ich Dir wohl schreiben, den schönen langen historischen Brief,
wenn nur was vorgehen wollte! - Ich hab zwar gar keine Neigung, dass etwas
vorgehen soll, aber doch wie letzt in der
