, er denkt, Romane können mir die
seltsamen Gedanken einprägen, und wenn er wüsste, dass keine Romane mir je
gefallen können als nur meine eignen! - Gibt es etwas Ärgerlicheres als
Liebschaften sich vorerzählen lassen, wo man sich gleich wundert, wie die
Schafe, welche auf diesem Romanen-Teppich weiden, nur zu diesem Schwindel kamen,
und der meint, dazu käme ich. - Noch eine ganz närrische Seite tritt oft wie ein
mir unverständliches hebräisches Wort auf den Lehrstuhl, und zwar mit den
feierlichsten Gebärden, so dass ich im Anfang ganz ängstlich wurde und mir
vergeblich den Kopf zerbrach, was das sein möge. - Von nun an beseitige ich
meine Skrupel, weil ich erst jetzt deutlich sehe, dass der liebe, liebste Klemens
auch von allerlei ihm selbst nicht recht deutlichen Beweggründen angespornt
wird, manches zu wollen, zu fordern, zu beteuern. Das Wort ist Pflicht. »Tue
Deine Pflicht mit Ernst - das Leben nehme leicht«. - Seh ich mich um nach meiner
Pflicht, so freut mich's recht sehr, dass sie sich aus dem Staub macht vor mir,
denn erwischte ich sie, ich würde ihr den Hals herumdrehen! So erpicht bin ich
gegen sie. - Nun, ich hoffe, dass ich und meine Pflicht nie zusammen kommen,
falls eine sollte auch auf mein Los gekommen sein - ich würde sie mit meinem
ernsten Blick schon in Schranken halten, dass sie mir nicht über den Hals käme,
ich verstehe keinen Spaß hierüber, meine ganze Natur kommt in Aufregung, und
Kräfte machen sich in mir auf die Beine, die alles in Grund und Boden trampeln,
was sich mir aufsätzig machen will. Also Pflicht, halte dich im Hintergrund,
wenn du nicht abgedroschen sein willst. - Meinetwegen geh zum Herrgott und klag,
dass du nichts bei mir ausrichten kannst, wenn ich ihm's vorstell, wird er schon
Raison annehmen. Heilige Harmonie der Natur, dich wollen sie aus dem Geleis
bringen der einzig göttlichen Sphäre, der Freiheit nämlich, und wollen zur
zinspflichtigen Pflicht machen alles, bis auf den Adel der Seele sogar, aus dem
alles Große entspringt. - Entspringen heißt ja aber schon dem Strang der Pflicht
ausweichen, ich aber entspringe ihr nicht, ich wende mich grade um gegen sie,
seh ihr scharf ins feige Angesicht und sage ihr: Weiche zurück vor meinem reinen
Instinkt des reinen großen Mächtigen, von dem du dir nichts träumen lässest. -
Und denk, Günderode, auch meine Träume greift mir der liebe Klemens an mit
seiner Satire, und wenn er doch in unserm Traumbuch läse, wo wir so seltsame
wunderliche Sachen und Gedanken schon aufgeschrieben, aus denen Du schon Stoff
zu manchem schönen Gedicht gefunden
