 ist das, dem
eine einzige Kunst entgegengesetzt werden könnte.« Ich schäm mich, eine Antwort
zu suchen. - Und doch hab ich sie: Das einzige Wissen ist der liebende Geist,
die einzige Kunst ist das des zu liebenden Göttlichen, was des Geistes Streben
an sich reißt durch seine magnetische Kraft. Die Kunst also ist ungelebte
Magnetkraft, die alles Leben an sich reißt. - Ach! - In der fernsten Ferne
meines Lebens sehe ich, fühle ich diese Magnetkraft mich beherrschen, - sie ist
Kunst in sich. Feuerkraft ist sie, dem Geisteswillen sich zu unterwerfen. Das
Ungelebte zwingt das Lebende! - Bist Du's zufrieden, Klemens? - - Adieu.
                                                                         Bettine
 
                                   An Bettine
Liebes Mädchen! Hier ohne Dich zu wohnen, wenn ich das aushalte, so darf ich
mich meiner Stärke rühmen. - Ach, wo ist's in der Welt wieder so schön als hier
in diesem Frühling hoch in den Lüften zu schweben, dem Himmel so nah, dass jedes
der sechs Fenster meiner Stube eine prächtige Landschaft unter Rahm und Glas
bringt. Nur das Große der Stadt berührt mich; die Türme sehen mir in die
Fenster, und die Stadtuhren sind meine Wanduhren, ich kann nichts tun als an
Dich denken, Dein Bild hinhalten. Der Frühling flieht von meilenweiten Bergen
über die blühenden Felder und den sanften Strom und die klingenden, singenden,
schwingenden Wälder her zu mir; und bringt Blumendüfte, Farben und Klänge mit,
all herein zu den sechs Fenstern, und da halte ich Dein Bild in die Mitte, dass
es der Reichtum der Jugend umwalle. Ach, warum bist Du nicht da? - Ich bin
entsetzlich ungeduldig um Dich! - Überall entbehre ich Dich, und selbst an Dich
zu schreiben macht mir Schmerz, weil Du mir auch dazu fehlst! Ja, zu den
Gedanken an Dich, zu Dir selbst fehlst Du mir. Und wenn Du da wärst, so wärst Du
überall in der Herrlichkeit. - Und alles Sprechen ist nicht wert, ein Wort
darüber zu verlieren, so wie alles Schießen keinen Schuss Pulver wert ist. - Wenn
ich Dir sagen soll, wie es hier ist, wie es mir ist, wahrhaftig ganz anders als
beim de Gabrielli, der Sonn und Mond, Wald und Tal und Ferne und Sturm auf
ölgetränktem Papier uns so deutlich vormalte, und wir uns beide freuten so
herzlich darüber. Nein, es ist auf dem Papier nicht zu erschwingen, was ich
brauchte, Dir zu sagen, was man hier in einer Minute empfinden kann, ich müsste
in einer Minute wahnsinnig und gescheut, dichtend und liebend und spottend und
lebend und sterbend sein, um Dir dies Leben recht wieder zuzuströmen. Das Haus
mitten
