 die Beweglichkeit ihrer Züge empfiehlt sie dem
Maler. Darum wählte ich heute das Bild und diese Personen zu dem Bilde; und ich
wollte, Bendemann selbst hätte es gesehen. Da er sich hoffentlich nicht schämt,
ein Jude zu sein, hätte er an dieser Darstellung vielleicht den Mut gewonnen,
auch Juden zu malen; denn, unter uns gesagt, feig sind die Juden doch! -
    Mowbray Du lügst! rief Steinheim's Stimme dazwischen, der, mit Eduard
eintretend, die letzten Worte hörte.
    Leider lügt er nicht, sagte Eduard ernstaft, wenn er von moralischem Mute
spricht. Denn jene sogenannte Kourage, die jeder Raufbold in sich erzwingt, um
während eines Duells oder sonst einer Viertelstunde Parade zu machen, die
schlage ich sehr gering an. Der Feigste, wenn er nur eitel genug ist, sich zu
schämen, bringt das zu Stande. Aber der moralische Mut, der fehlt uns.
Jahrhunderte lang hat die Sklaverei auf uns gelegen und das Volk so gedrückt,
dass es sich glücklich fühlt, Ruhe zu genießen, anstatt mit aller Kraft die
Rechte zu fordern, die man uns vorentält!
    Wahr ist's, bekräftigte Hughes, und um so auffallender, als man nicht
leugnen kann, dass es verhältnismäßig eine Menge von Fähigkeiten und Talenten
unter Ihrem Volke gibt. Mich wundert, dass diese sich nicht durch die ganze Erde
vereinen, dass sie nicht alle ihre Mittel aufbieten, um zum Ziele, zur
Gleichstellung zu gelangen.
    Weil sie das nicht tun, nannte ich sie feig, sagte begütigend Erlau, dem es
unangenehm war, jene Äußerung getan zu haben.
    Und mit Recht, war Eduard's Antwort. Was Du mir über Bendemann's »Trauernde
Juden« neulich sagtest, war vollkommen wahr; indes so machen sie es alle.
Michael Beer, der die Schmach der Unterdrückung auch sehr lebhaft fühlte, den es
drängte, die Ungerechtigkeit darzustellen, machte ein Trauerspiel daraus. Aber
er schilderte nicht das Elend seines Volkes; damit hätte er ja daran erinnert,
dass er selbst ein Jude sei: er malte lieber die Unterdrückung sub rosa, er
schrieb den »Paria« und dachte, vielleicht versteht man meine Meinung, und ich
habe doch nichts gesagt, wenn man sie nicht verstehen will. Das ist Feigheit.
    Und Torheit obenein, sagte Steinheim. Die Geschichte hat bis jetzt kein
Beispiel, dass irgend eine Unterdrückung aufgehoben worden wäre, weil der
Unterdrücker in großmütiger Laune sagte: »Kar tel est mon plaisir«, außer der
Berta im Tell, die abgehend ihr »und frei erklär' ich alle meine Knechte«,
ausruft. Es heißt im Christentume: »Bittet, so wird euch gegeben, klopfet an,
so wird
