 bekämpfend.
    Wollte Gott, ich könnte sie Reinhard mit solcher Zuversicht anvertrauen, als
Dir, entgegnete der Vater und drückte ihm die Hand.
    Es entstand eine peinliche Pause. Eduard, der hier zwischen seinen besten
Freunden entscheiden sollte, fühlte für Beide lebhafte Teilnahme. Er gönnte
Reinhard und Jenny ein Glück, das ihn seine Liebe in voller Größe erkennen ließ,
und er empfand in Joseph's Seele, was Entsagung zu bedeuten habe. Das Misstrauen
seines Vaters gegen Reinhard aber bewog ihn endlich, das Schweigen mit der
Bemerkung zu unterbrechen, wie ihm, der Reinhard seit Jahren kenne, dessen
Charakter ein sicherer Bürge für Jenny's Zukunft sei.
    Da irrst Du! entgegnete der Vater. Ich achte Reinhard und erkenne seine
Vorzüge an, aber er lebt in einer Ideenwelt. Solche Menschen sind mir bedenklich
und taugen nicht für die Ehe. Weil er mit der höchsten Anstrengung und allem
Ernste daran arbeitet, die Vollkommenheit, die er im Auge hat, sein Ideal eines
Menschen, zu erreichen, darum glaubt er sich berechtigt, auch an Andere die
gleichen Ansprüche zu machen. So wie er das Leben, die Liebe auffasst, sind sie
nicht, und die Ehe, die sittliche Feststellung der Verbindung der beiden
Geschlechter, bleibt trotz der höchsten Liebe, die zwei treffliche Menschen
verbindet, immerdar hinter Dem zurück, was einem jungen Manne oder Weibe als
Ideal vorschweben mag! Der Ruhige, der Besonnene findet sich darin und tröstet
sich mit dem Guten, das sich ihm in der Ehe offenbart, über Das, was nicht zu
erreichen ist - das aber, fürchte ich, will und kann Reinhard nicht. Weil er
Jenny liebt, erscheint sie ihm geeignet, das Ideal einer Hausfrau, einer Gattin
zu werden, wie er sie sich träumt; er wird es deshalb auch verlangen, dass sie
sein Ideal verwirklicht, und, wie ich ihn beurteile, nur zu geneigt sein, ihr
aus den Unvollkommenheiten des Menschen überhaupt, einen persönlichen Fehler zu
machen. Mit einem Worte, Reinhard hat eine Art Überspannung in seinen Gefühlen,
die mich für Jenny's Glück besorgt macht.
    Eduard konnte nicht leugnen, dass die Bemerkung seines Vaters Wahrheit
enthalte, verteidigte den Freund aber lebhaft und meinte, sein Vater verfalle
selber in den Fehler, den er an Reinhard rüge; er verlange, dass Reinhard
vollkommen sein solle.
    Nein! sagte der Vater, aber dass ich es Euch gerade herausgestehe, mir ist
eigentlich nichts genehm bei diesem Antrage. Jenny soll Christin werden, auch
das steht mir nicht an.
    Und doch wünscht sie eben das! bemerkte Joseph.
    Nicht doch, mein Sohn! Sie wünscht Nichts als Reinhard's Frau zu werden; das
Christentum ist ihr ein
