 dann jedesmal bedeutsam mit dem
Haupte gewackelt. Aber wer weiß, was eine alte Katze auch nicht alles zu tun
hat! Und mit beruhigtem Gewissen steckte Nero jedesmal wieder die Nase unter
seine kräftigen Tatzen.
    Da rauschte Bertas Kleid in die Öffnung des kleinen Häuschens. Nero
erwacht. Er meint nicht anders, als dass es die Prinzessin sei, welche ihm den
langersehnten Besuch mache, und einesteils ärgerlich darüber, dass sie ihn
wiederum im Schlafe antrifft, dann aber auch freudiger als je erschrocken, dass
endlich sein Wunsch in Erfüllung geht, fährt er mit ungewöhnlicher Hast
plötzlich vom Lager auf und springt freudig bellend der Türe zu, um seine Dame
so artig zu begrüßen, wie es einem alten Hunde möglich ist.
    Der biedere Nero! Man stelle sich sein Entsetzen vor, als er mit einem Mal
statt der Prinzessin nur ein adliges Fräulein erblickt, das vor seinem Gebell
zurückspringt.-.
    Nero stand wie vom Donner gerührt, da er aber eine zu gute Erziehung
genossen und auch durch die vielfältigen Ereignisse eines bewegten Lebens die
Erfahrung gewonnen hatte, dass man aus allem, was einem passiert, stets das Beste
machen muss, so dauerte seine Bestürzung nur einen Augenblick, und mit jener
echten Galanterie, die einem alten Lebemanne eigen ist, verneigte er sich sofort
und: »Mademoiselle, je suis très charmé de vous voir«, flüsterte er freundlich
blinzelnd und sagte es mit soviel Anstand und mit einem so wahrhaft fashionablen
Akzent, dass jeder, der es verstanden hätte, auf der Stelle davon überzeugt
gewesen sein würde, dass dies trotz alledem ein sehr wohlerzogener, wohlmeinender
Hund sei. Berta ließ sich wenigstens rasch durch die freundlichen Reverenzen
Neros besänftigen und musste sogar bald laut auflachen, als das Tier nach einigen
verbindlichen Worten gar nicht mehr mit den tollsten Sprüngen und zierlichsten
Verbeugungen enden wollte.
    »Du bist ein alter Narr, lieber Nero!« rief Berta und setzte den zierlichen
Fuß auf das glänzend schwarze Fell des Hundes. »Erst erschreckst du mich durch
dein unhöfliches Gebell, und gleich darauf bist du wieder so kriechend demütig,
dass ich um deine aufrichtigen Gesinnungen den gerechtesten Zweifel haben muss. Um
dir indes zu beweisen, dass ich noch einiges Vertrauen in dich habe, will ich
deine Kette lösen und dir für heute einmal die Freiheit geben; wir wollen sehen,
ob du dich derselben würdig machst!« Nero schien die Worte seiner schönen Herrin
genau zu verstehen und war auch so sehr mit dem Vorhaben Bertas einverstanden,
dass er sich ruhig niederlegte, um ihr das Lösen der Kette desto leichter zu
machen. Unfreundlich ist es indes doch, dachte er, dass sie dir gleich mit ihrem
Fuße auf den Rücken tritt. Wenn das die Prinzessin sähe, sie würde
