 jeder hatte eine andere Predigt gehört als der
Andere, nur darin waren die Meisten einig, dass die, welche sie gehört, ihnen
nicht gefallen. Er könnte es, wenn er wollte, sagten sie; vor acht Tagen habe er
eine Predigt gehabt, Leib und Seele hätte noch lange geschlottert, aber er möge
es ihnen gar selten gönnen; das sei aber nicht dest bräver, wenn einer es könnte
und nicht wollte.
    Nur wenige Leute nahmen keinen Teil an diesen Urteilen, gingen in stillem
Ernst ihre Wege; denen hatte der Pfarrer auch etwas Inwendiges getroffen, und
dem dachten sie nach und redeten nicht in das Allgemeine; zum Disputieren war
das Herz ihnen zu voll, und mit ihrem eigenen Innern beweisen, wie recht der
Pfarrer gehabt, das mochten sie nicht. Es ist mit dem Inwendigen eine eigene
Sache, man verhüllet es ärger als seinen Leib, und die Hülle wird oft so dick,
dass kein Auge mehr hindurchdringt, nicht einmal das eigene, und die Zuversicht
auf diese Hülle wird so groß, dass man nicht einmal denkt, ein Auge könnte
durchdringen, und Gottes Auge nimmt man in dieser Meinung nicht aus.
    Dieses Verhüllen hat aber auch seinen Grund in der Angst, nicht verstanden
zu werden, in der Angst, dass die, denen man das inwendige Leben erschliesst,
Spott und Mutwillen mit demselben treiben möchten, weil sie es nicht würdigten,
nicht begriffen, wie Kinder mit den kostbarsten Edelsteinen nicht anders umgehen
als mit gemeinen Steinen und gemeine Leute desto lauter und höhnischer über das
Edle spotten, je höher es über ihrer Gesinnung steht.
    Darum auch fiel es weder dem Christen noch dem Änneli noch ihren Kindern
ein, den Leuten die Predigt auszulegen, wie sie dieselbe verstanden, und sie mit
ihrem äußerlich und innerlich Erlebten zu belegen. Sie wurden fast froh, dass den
Andern ihre Augen oder Ohren gehalten gewesen und das, was sie so klar glaubten,
ihnen dunkel und verborgen geblieben, und sagten nur hie und da, wenn sie nicht
anders konnten, ein Wort ins Reden der Leute: Ihnen hätte die Predigt gefallen,
es dünkte sie, es könne ein jeder seinen Teil davon nehmen, und wenn man dem
Pfarrer nach täte, so käme es nicht bös.
    Aber als der stille Nachmittag heraufkam, die Diensten ihre Wege gegangen
waren, schön sonntäglich feierlich es ums Haus ward, der Baumgarten, fast einem
heiligen Haine vergleichbar, mit leisem Säuseln die Bewohner des Hauses in
seinen kühlen Schatten lockte; als sie ohne Abrede, aber von gleichem Zuge
getrieben eins nach dem Andern kamen, das Eine noch vor diesem Baume stund, das
Andere Raupen abstreifte im Vorübergehen, endlich alle sich zusammenfanden unter
einem mächtigen Apfelbaume und sich lagerten ins kühle
