 die mit aller Zuversicht
den Himmel erwarteten und vollkommen mit sich zufrieden seien, sich innerlich
gerne zum Beispiel Anderer aufstellten, mit aller Behaglichkeit auf Andere
herabsähen und selbst ihre Fehler zu beschönigen wüssten, als wären es Tugenden,
und sie selbst Gott als solche anrechneten, fast wie zuweilen ein Mensch den
andern zu betrügen suche mit einem gemeinen Steine, den er für einen kostbaren
Edelstein ausgebe.
    Wenn man so im Allgemeinen und von weitem an den Tod dächte, so meine man
nur zu gerne, man wäre fertig und es sei leicht zu sterben; aber wenn er
plötzlich vor einem stünde, so käme es einem anders, und was man leicht
geglaubt, das käme einem schwer vor, und was man nicht gesehen, für das gingen
einem die Augen auf. Sie sollten nur an den reichen Jüngling denken, wie der
guten Muts zu Jesus gekommen, willens, das ewige Leben zu gewinnen, und das
Gewinnen leicht glaubend, weil er schon so vieles getan und die Gebote gehalten
von Jugend auf Was fehlt mir noch? habe auch der gefragt. Geh, verkaufe, was du
hast, und gib es den Armen, sagte Jesus. Darauf war der Jüngling nicht
vorbereitet, er ging betrübt hinweg; er, der gemeint, er hätte alles getan, was
er schuldig gewesen, dem fehlte noch alles zum Himmelreich. Dem fehlte der
christliche Sinn, der gehorsam ist bis zum Tode am Kreuz, ihm fehlte die Liebe,
die Gott über alles hält, den Nächsten als sich selbst; der war zu allem bereit,
aber nur zu dem, woran er gewöhnt war, und nicht zu dem, was der Herr von ihm
forderte; er war getreu, bis der Herr seine Treue erproben wollte; ihm fehlte
der Geist, der in alle Wahrheit leitet und den Menschen bewahret in jedem
Verhältnis, in jeder Anforderung ein Kind Gottes bleiben lässt, wie er die
Apostel das Rechte reden ließ vor jeglichem Richter.
    »Nun leben Tausende dem reichen Jünglinge gleich, wissen nicht, dass die
Hauptsache ihnen fehlt. Sie leben in stiller Rechtlichkeit, im Geleise, in
welchem Vater und Mutter gegangen, geben keinen Anstoß und finden keinen Anstoß
im Leben, aber ihnen unbemerkt leben sie doch für etwas, und dieses Etwas ist
ein Zeitliches, es ist ihr Gut, und ihnen unbemerkt leben sie für dieses Gut, in
einer immer festeren Angewöhnung, auf besondere Weise, und dies Gewohnheit wird
ihr Meister und regiert sie, sie merken es nicht. Tritt nun etwas Besonders in
ihr Leben, fordert Gott ein Opfer von ihnen, streckt er seine Hand nach ihrem
Gelde aus, rüttelt er an ihren Gewohnheiten, machen sie Verluste oder tun ihre
Ausübungen, welche gegen kein Gebot stoßen
