 göttliches Leid, denn
wie wenig trägt der Mensch, die sogenannte Krone der Schöpfung, dem Baume
gegenüber, und das Wenige ist wurmstichig und befleckt, wie krankhaft und
spärlich steht die Saat auf dem großen Acker und wie üppig und reich das
Unkraut, welches der Feind dazwischen gesäet! Da soll der Strom der Busse
anschwellen in seinem Herzen, da soll das innige Verlangen geboren werden nach
dem, der da kommt, das Verlorne zu suchen, der den Himmel öffnet, dass die Engel
Gottes niedersteigen mit reichen Geistesgaben, der den guten Samen bringt, uns
das Mangelnde ergänzt mit seiner Fülle. Es ist ein Gedenkfest, dass wir noch in
der Irre wandeln und verloren gingen in der Wüste, wenn Gott uns nicht einen
Führer senden würde; es ist eine Mahnung, getrost zu bleiben in der Wüste, denn
hinter ihr liege das verheissene Kanaan, und zu ihm gelange, wer dem Führer
folge.
    Dieser Tag hat noch immer seine hohe Bedeutung unter uns, feierlich wird es
uns zumute, und je näher wir ihm kommen, desto demütiger werden wir, desto
klarer stellt das Bewusstsein sich heraus, dass wir vor Gott des Ruhmes mangelten,
dass all unsere Gerechtigkeit sei wie ein unflätig Kleid. Es gibt freilich Leute
unter uns, welche sich dieses sich aufdringenden Bewusstseins mit aller Macht zu
erwehren suchen. Es sind hier nicht die gemeint, welche teoretisch Christus und
die Sünde abschaffen wollen, sich selbst zum Götzen machen möchten, welche, bei
Lichte besehen, akkurat dem Kalbe gleichen, welches die Juden anbeteten, mit dem
Unterschiede jedoch, dass diese Kälber dato noch nicht golden sind, aber um so
unverschämter an die Welt die Forderung stellen, dass dieselbe sie vergolde und
bis dahin wenigstens reichlich füttere und tränke, und das Letztere lieber mit
Wein als mit Bier, und diesen ebenfalls je besser desto lieber. Das sind die,
welche in ihrer stupenden Anmassung singen können:
                    Und vor der Menschheit schreit ich groß
                         noch durch Jahrhunderte daher,
und die eben deswegen nichts sind als Zeugen der Wahrheit des Evangeliums,
welches sie vernichten wollen, als Denksteine, dass wer sich selbst erhöht,
erniedrigt werden werde, dass sie eben nicht länger dauern als das Kalb, das noch
dazu golden war, das zu Pulver gestoßen ward und welches Pulver verschlucken
mussten die, welche das Kalb angebetet hatten, welches ihnen sehr übel bekam,
denn es machte ihnen Bauchweh und einer erwürgete den Andern. Akkurat wie es
heute geht, wo, wer heute der Götze war, morgen zu Pulver zerstampft wird, und
übermogen die, welche ihn zerstampft, sich gegenseitig erwürgen. Und jener arme
Tropf, der die schmählichen Worte sang: »Und vor der Menschheit schreit ich groß
noch durch Jahrhunderte daher
