 ohnehin nicht verkündigen
lassen, und dann sei es ihm auch wegen Resli, dem würde sein Unglück neu
aufrüchen, wenn es schon jetzt eine Hochzeit geben sollte. Öppe der Mutter müsse
man es sagen und zwar noch diesen Abend, es werde ihr ein Trost sein, von wegen,
wenn man so leichtsinnige Meitscheni habe, so wüsste man nie, was man noch an
ihnen erleben müsse. Hätten sie einmal gemannet, so könne der Mann zusehen und
hüten.
    Da ward Annelisi halb böse und meinte: »So, Vater, wenn ich euch so viel
Kummer gemacht habe, so ist es Zeit, dass ich gehe, aber ich habe doch gemeint,
ich führe mich auf, dass ihr öppe nicht viel z'förchte hättet.« »Ich klage nicht
über dich«, sagte Christen, »aber wie schwach ein Mensch ist, weiß er selbst
gewöhnlich zuletzt, und wenn er mit Ehren durchkömmt, so hat man es unserm
Herrgott z'danke, nicht ihm, ghörst!« Es war die sogenannte heilige Zeit im
Herbst, die der Bettag schließt, welcher vor der Türe stand.
    Heilige Zeit - als ob nicht jede Zeit und jeder Tag zu unserer Heiligung uns
gegeben, Gott geweiht sein sollte! Aber der Mensch findet so gerne mit Gott sich
ab, gibt ihm etwas, das Übrige will er apart haben und gebrauchen nach seinem
Sinn. Einige Tage nimmt er sich etwas in acht, nennt dieses heilige Tage, glaubt
damit Gott einstweilen abgefunden, geht getrost ans alte Leben wieder hin und
treibt es mit um so größerer Lust, fast wie es Schlemmer treiben, die express
einige Stunden fasten, um nachher mit um so größerem Appetit zu fressen. So wird
alles verkehrt dem verkehrten Gemüte, und selbst die heilige Zeit wandelt sich
für ein solches in einen Fluch um. Schön aber sind unsere vier heiligen Zeiten,
unsere vier geistigen Jahreszeiten, wo jede die andere gebiert, jede aufs Gemüt
der Menschen eigens wirkt und in beständigem Wechsel und Wiederkommen den
Menschen vor geistigem Schlafe wahren soll. Wenn im Herbste die Ernte in den
Scheuern liegt, junge Saaten einer neuen Ernte entgegengrünen, an den Bäumen die
Blätter gelben und zwischen ihnen die hellen Früchte glänzen, dann soll der
Mensch es sich bewusst werden, dass auch er ein Baum sei, von dem Früchte
gefordert werden, dass die Menschheit sei der große Weltenacker und gerichtet
werde nach den Früchten, die auf selbigem stehen. Es soll im Geiste der Mensch
den Herrn sehen, wie er alle Tage am Baume vorübergeht und nach Früchten sucht,
soll nun selbst seine Augen richten nach diesen Früchten, soll schauen nach dem,
was der Herr sucht. Da wird ein Weh im Herzen geboren, ein
