 Rat teuer ist, hat nach der Tat
jedes Babi Steinkrätten voll und trägt sie einem nach dringt sie einem auf und
zwar gratis. Es ist nichts ärgerlicher als dieses Ausbündeln von Weisheit, wo
sie nichts mehr abträgt; mit dem verschonte man Resli.
    Am meisten drückte es Änneli, dass die Hoffnung, eine Sohnsfrau zu erhalten,
in ungewisse Ferne gerückt war; es hätte so gerne die noch gesehen, die nach ihm
schalten und walten sollte in diesem Hause. Aber zu etwas Neuem drängen, das
mochte es den Sohn nicht; ein solches Drängen zur Unzeit vergrößert nur den
Widerstand, ist eine von den bitteren Früchten der Liebe, die einem Menschen als
Glück etwas aufdringen will, zu welchem derselbe weder Lust noch Liebe hat.
Resli war darum auch so gerne bei der Mutter, die ihm von alten Zeiten
brichtete, ihn bekannt machte mit vergangenen Sitten und den Vorgängen in der
Familie, so weit hinteren sie selbst etwas wusste. Wo das Ringen mit der Gegenwart
den Menschen nicht mehr allein fasst, sein Herz sich losgemacht hat von den
Dornen und Disteln des gemeinen Lebens, da denkt er an die Vergangenheit,
kümmert sich um die Zukunft, sorget für das Los seiner Kinder, forschet nach
denen, die ihn auf die Welt gestellt, ihm ein Dasein verschafft. Über der
Menschheit tiefsten Niederungen, wo der Mensch beginnt, Vergangenheit und
Zukunft in Beziehung auf sich und die Seinen ins Auge zu fassen, entsteht die
Familie.
    Der Familie Schatzkästlein soll aber nicht sein das Verzeichnis der bloßen
Namen der gestorbenen Familienglieder, soll nicht bloß enthalten die
Sparpfennige der haushälterischen Ahnen, sondern dieses Schatzkästlein soll
enthalten Sitten und Erlebnisse der Väter, zu Warnung und Weisheit der Kinder.
An dieser Familiengeschichte sollen Kinder aufwachsen wie am Spalier der edle
Fruchtbaum. Der Väter Sinn und Art, welche sie über das Gestrüpp erhoben, wird
auf die Kinder übergehen. Dieses wird vergessen; Namen oder Geld, am liebsten
Namen und Geld, meint man, machen die Sache, das sind aber beides tote Dinge und
erhalten sich nicht, ohne Seele sind sie ein Leib, der verfault, weil eben die
Seele gewichen. Freilich schämt man sich zuweilen der Familiengeschichte, darf
den Kindern sie nicht erzählen; Torheit! Wie treu und schön erzählt nicht das
Alte Testament den Kindern Israels das Tun der Väter Israels, beides, zum
Vorbilde und zur Warnung!
    In sich trug Resli ein Leben, welches er der Mutter Auge, so innig er sie
liebte, nicht erschloss; es war das Leben seiner Liebe, seine versunkene
Liebeszeit. Eine solche versunkene Liebeszeit gleicht den Sagen von versunkenen
goldenen Zeiten und Ländern, mit dem Unterschiede jedoch, dass die Sagen der
Völker sich immer grauer färben, im Herzen der
