 Welt: ein
weißes Linonhäubchen, welches so dicht ihr Gesicht umschloss, dass kein Haar zu
sehen war, eine große graue Schürze und graue Vorärmel. Für jede andre Frau
würde es eine völlige Abwesenheit aller Eitelkeit verraten haben, in diesem
Anzug Besuch zu empfangen. Bei Faustine aber bedeutete es nichts, als dass sie
mehr an ihr Bild, als an ihre graue Schürze dachte. Sie saß stumm da, die Lippen
ein wenig geöffnet, als lausche sie auf etwas; mit den breiten Augenliedern
zuweilen ganz rasch die Augen zudeckend, wie um sie auszuruhen: die Lachtauben
haben diese Bewegung. Endlich wendete Mario seinen Blick ihrer Arbeit zu.
    »Warum den finsteren Totenkopf malen?« fragte er; »was wissen denn Sie vom
Tode, Sie, bei der Licht und Wärme - und das ist Leben! - zu Hause sind?«
    »Ich wollte auch das Leben malen,« antwortete sie, »aber dazu fiel mir eben
nichts Anderes ein, als eine Fülle von Blumen und der Totenkopf dazwischen,
halb versteckt, und doch Alles überragend. Sie haben ganz Recht! mit dem Tode
hab' ich nichts zu schaffen, so gar nichts, dass ich ihn nicht einmal verstehe.
Aus einer Form der Existenz zu einer andern übergehen, heißt bei mir nicht Tod,
sondern eine neue Lebensentwickelung. Leben muss man, wie man liebt: durch
Ewigkeiten hindurch. Wer nicht diese Überzeugung hegt, weiß nichts vom Leben,
nichts von der Liebe. Wer nicht das Weltall zu einem Quell macht, aus dem er
Leben und Liebe stets neu und frisch schöpft, sollte nur gar nicht dazu Miene
machen. Sie sehen, ich bin eine entschiedene Gegnerin des Todes; aber dem Körper
gönne ich gern sein Ausruhen im Grabe, obgleich er dabei so garstig wird, wie
mein alter Totenkopf hier.«
    »Warum verdient der Leib dies Ausruhen, der sich doch nicht halb so viel
anstrengt, als der Geist? einen körperlichen Schmerz haben wir nach
vierundzwanzig Stunden total vergessen; von dem geistigen bleibt immer eine
Narbe, oft eine Wunde zurück. Körperliche Ermüdung - was ist denn das? man hat
ein paar Nächte durchschwärmt - dann schläft man aus! ein sehr angenehmes Mittel
gegen Ermüdung! - Aber gegen geistige Müdigkeit, die auf Überanstrengung folgt,
und Flug und Schwung lähmt, gibt's keine angenehme Mittel, sondern Sturzbäder
von Widerwärtigkeiten etwa, und Moxa der Leidenschaft, und ähnliche Kuren,
welche der geschickte Arzt Schicksal zu verhängen weiß.«
    »Daher hat aber auch der Geist seine Freude, seinen Spaß, sein Glück, sein
Fortkommen - und der arme, arme Leib nichts von dem Allen! Wie muss das Blut
rennen, die Nerve hüpfen, die Muskel
