 wir sind keine Reichsritterschaft mehr und müssen
uns Alles gefallen lassen, vom Plebs des Volks und der Fürsten.«
    »Und dann,« sagte Faustine, »klingt Herr von Fischer von Schmerlenbach und
Herr von Schwarz von Mohrenland so durch und durch plebejisch, dass es keiner
Seele einfallen wird, sie in einer alten Chronik oder einem Turnierbuch zu
suchen; und das ist ja der alleinige Spaß, den wir noch von unsern Namen haben.«
    »Ich verlange keinen Spaß von meinem Namen, gnädigste Gräfin, sondern Ehre.«
    »Dass weiß ich, Graf Kirchberg,« antwortete sie freundlich; »weil Letzteres
lediglich von unsrer Persönlichkeit abhängt, so hat es ja gar keinen Einfluss auf
Sie, ob der Herr Peter - Baron von Petershausen wird. Dalberg und Berlichingen
klingen doch anders, nicht bloß für unser Ohr, auch für das unsrer Gegner und
Rivale, und das eben, dass etwas Unfassbares darin liegt, etwas Idealisches,
tönender als der Geldbeutel, gewichtiger als Berge von Akten, zauberhafter als
die schwarze Kunst der Industrie - das ist mein Gaudium! Ich bitte um Verzeihung
wegen dieses Studentenausdrucks, aber ich bleibe beim Gaudium! - Die Leute
zucken die Achsel über den leeren Schall des Wortes: er ist von Adel; sie machen
sich lustig über den Adel, sie suchen bald ihn mit Füßen zu treten, bald ihn zu
überflügeln, sie coudoyiren ihn - hier mit der sterilen Aufgeblasenheit des
Reichtums, dort mit dem würdigern Bewusstsein des Verdienstes, und wenn ihnen
die Möglichkeit eröffnet wird, in die Reihen der gehöhnten Kaste einzutreten, so
wischen sie den plebejen Schweiß von der Stirn, holen Atem, lassen sich nieder,
kurz, sie zeigen, dass sie am Ziel sind. Meine lieben Freunde, ist denn das kein
Gaudium für uns?«
    »Man kann sich freilich über Alles lustig machen,« sagte Kirchberg, »aber
diese Sache hat doch auch ihre sehr traurige Seite. Freilich lassen diese Leute,
eingedrängt und eingeschoben - gleichviel! sich zwischen uns nieder, und dafür
drängen sie uns, wie der Kuckuck den Hänfling, aus dem Neste. Sie bekommen den
Grundbesitz in die Hände. Viehhändler, Fabrikanten, Banquiers kaufen uraltadlige
Herrschaften. Der Erdboden wird unterminirt für die Aristokratie; sie steht nur
noch auf einer dünnen Erdschicht - überall! sogar in Österreich, wo der
Banquier Sina jährlich für mehre Millionen ungarische Besitzungen kauft, und wo
überhaupt die ganze Finanz mit unbeschreiblich bitterem Hass dem Bestehen der
Aristokratie zusieht. Sie können ihr ihren frivolen Übermut nicht vergeben!
als ob ein schwerfälliger besser wäre! Wenn diese Leute oben sein werden, so
werden sie mit Fäusten schlagen, wo wir mit dem Schwert.«
    »O der Übermut, der uns
