 hast Du ja im Lauf des Sommers
erfahren,« sprach er; »und welche Freude, wenn wir uns nach der Trennung
wiederhaben!«
    »Weil ich es bereits erfahren habe,« entgegnete Faustine weinend, »so bin
ich ja mit dieser Erfahrung gleichsam abgefunden; ich brauche sie nicht mehr.
Und wie kannst Du wissen, ob nach einigen Wochen Alles abgetan sein wird! Nimm
mich wenigstens mit, als Dein Page verkleidet etwa.«
    »Ich werde Dich erst nach Dresden bringen,« sagte Andlau, ohne den letzten
Vorschlag sonderlich zu beachten, »und dann zurückreisen.«
    »Du bist ein eiskalter Mensch!« rief sie und warf unwillig seine Hand aus
der ihrigen.
    »Das kann wohl sein,« entgegnete er sanft.
    »Und ich sehe durchaus nicht ein, warum ich Dich liebe.«
    »Das hab' ich nie eingesehen, und es Dir auch oftmals gesagt.«
    »Aber da ich Dich nun einmal liebe - rief sie, wieder mit süßer,
schmeichlerischer Stimme - so schmerzt mich tötlich die lange, dumpfe Trennung!
Dich nicht?«
    »Faustine, Du kennst mich, Du weißt, dass mein Leben in Dir ist, dass Du nicht
bloß mein Glück, nicht bloß meine Liebe, nein! mein Glaube und meine Hoffnung
bist, dass Deine Kristallseele mich gleichgültig gemacht hat gegen alle
staubigen, buntgefärbten, flitterhaften Erscheinungen, dass neben Dir nichts,
unter Dir eine Welt steht, dass ich von der Ewigkeit nichts wünsche, als Dich,
weil ich in der Ewigkeit nur Dich, den schönsten Gottesgedanken, sehe; - das
weißt Du, und fragst, als ob Du nichts wüsstest! Mache mir nicht das Herz schwer,
und glaube nur, ich vermisse Dich durch die Trennung weit mehr, als Du mich. Du
setzest Dich an Deine Staffelei und malst und erschaffst, und vergisst bei Deinen
Schöpfungen alle Schmerzen, vielleicht alles Glück. Die Phantasie pflanzt
goldene Stäbe rings um Dich her, und Deine Trauer rankt sich an ihnen empor und
Du stehst schnell in einer duftenden, blühenden Laube, die Du selbst gezogen
hast. Der Mensch deutet die Dinge, wie er sie versteht, nach seinen Fähigkeiten;
Du bist so reich, dass Dir die Welt ein Golkonda ist. Ein vorübergehendes Leid
wird für Dich ein Brunnen tiefer Freuden werden - das solltest Du doch wissen!«
    »Ja,« sagte sie, »ich mag aber doch kein Leid! mag nicht aus dem tiefen
Brunnen mühsam das helle, reine Freudenwasser emporziehen! Ich tue es nur, wenn
ich eben muss, weil ich meine, es sei doch besser, als die Arme schlaff
herabhängen zu lassen; aber lieb hab' ich solche Arbeit
