, wenn
dem einen Teil daran liegt, sich auf drei Minuten von dem andern hintergehen zu
lassen; er lachte über den Sieger, wenn Verstand und Gefühl ihre kleinen Händel
zusammen ausfochten, und sprach zu ihm: morgen wirst du der Geschlagene sein; er
lachte über sich selbst, wenn er sich gegen die Macht der Empfindung durch Spott
und Scherz wie hinter Wall und Mauer verschanzte; er lachte, weil er sehr ernst
war, ein fester Pilot, der seinen Nachen ungefährdet durch die Strömung zu
bringen sucht, indessen die Brandung des konfusen, strudelnden Lebens ihn die
wunderlichsten Sprünge, welleauf, welleab, machen lässt. Und weil er lachte, so
behielt er den frischen Mut, welcher nie die Arme schlaff sinken lässt. Jeder
Zustand, jedes Verhältnis war ihm ein neuer Sporn, eine höhere Stufe. »Sei dir
selbst getreu - hatte sein Vater zu ihm gesagt, als der fünfzehnjährige Mario
das älterliche Haus verließ - sei bereit für das, was Du als recht erkannt,
nicht bloß zu sterben, das ist bisweilen dem Jünglinge sehr leicht, sondern zu
leben, und das ist fast immer sehr schwer. Aber es lohnt nicht der Mühe des
Lebens, wenn Du nur das Leichte tun willst.« Dies war der Segen, den der Vater
dem Sohne gab, und als der Sohn ihn zu seiner Richtschnur machte, ward der Vater
sein Freund; denn nach denselben Grundsätzen leben und handeln - das stiftet
Freundschaft zwischen Männern; Mario betete seinen Vater an. Trotz der großen
Selbstständigkeit, zu welcher dieser ihn früh gewöhnt, brachte er Alles vor des
Vaters Forum, was - nicht der Entscheidung, die traf er selbst - der Billigung
bedurfte. »Das war recht,« sagte dann der alte Mengen, und Mario erwiderte: »Ich
wusste es.« Bei großen und kleinen Dingen, bei ernsten und unwichtigen
Gelegenheiten, erklang oft die Stimme des Vaters, ohne dass Mario daran dachte,
vor seinem Ohr. Er liebte einst eine Frau, ein schönes, liebliches, verlockendes
Wesen. Es musste zu irgend einer Entscheidung kommen. »Nun, Mario?« fragte ihn
der alte Mengen, obgleich er funfzig Meilen von dem Sohn entfernt war, und Mario
zerbrach die Fessel. Ein andres Mal hatte er die tollkühne Wette gemacht, auf
der Balustrade eines hohen Kirchturms frei umherzugehen. Er begann die
gefahrvolle Promenade und war fast am Ziel, als der Schwindel ihn so gewaltig
packte, dass Blei in seinen Füßen und ein Flor auf seinen Augen lag. Da hörte er
seinen Vater: »Aber Mario!« sagen; der Schwindel wich, er ging um den Turm. -
In jeder Krisis, auf jedem Wendepunkt des Schicksals gab ihm sein Vater
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