 oder auf die
Turmspitze steigen, um ihnen wenigstens Einmal gründlich ins Antlitz zu sehen,
und habe ich das getan, so vergesse ich sie nie.«
    »Dein Gesandter wird ja von der Badereise Tochter und Enkelin hieher
bringen. Ob die junge Person hübsch ist?«
    »Sehr hübsch, nach einem Portrait zu urteilen, doch zu jung, um Eindruck zu
machen.«
    »Und die Mutter?«
    »Nicht mehr jung genug.«
    »Die diplomatische Laufbahn ist doch äußerst angenehm! Nicht nur, dass Ihr
wie die Windrose für alle Weltgegenden und alle Klassen der Gesellschaft
eingerichtet seid: Ihr findet auch, wohin Ihr entsendet werdet, überall ein
Haus, in dem Ihr zu Hause seid wie in dem eigenen, ohne die Unbequemlichkeit,
welche häufig mit letzterem verbunden ist.«
    »Der Soldat hat seine Kameraden, der Beamte seine Kollegen, was - beiläufig
gesagt - unbeschreiblich philisterhaft klingt; und beide haben ihre Chefs; ich
sehe keinen besonderen Vorteil in unsern Verhältnissen, als höchstens den, dass
unser Chef seinem einsamen Secretär ganz genau auf die Finger sehen kann. Ich
bin zuweilen dieser Stellung überdrüssig zum Todtschiessen! Wäre Cäsar nicht groß
durch sein Leben und seinen Tod, so wär' er es durch sein berühmtes Wort vom
Ersten und Zweiten.«
    »Wir arbeiten rottenweise in einem weit ärgern Joch, als das ist, worin Ihr
einzeln arbeitet; also habt Ihr doch immer die größere Chance für Euch, bald der
Erste zu werden, und nicht in einem armseligen Dorf, sondern in irgend einer
Weltstadt. Ich hätte mich auch gern der Diplomatie gewidmet, aber Rücksichten
wiesen mich in eine andere Karriere, in der das Leben und die Gesellschaft
geringere Ansprüche an uns machen.«
    »Du bist verlobt, hörte ich sagen ....« -
    »Seit vier Jahren.«
    »Welche Geduld, mein lieber Feldern! - und Deine Braut lebt hier?«
    »In der Nachbarschaft, auf dem Lande - Du wirst sie kennen lernen.«
    »Ich würde mich auch gern verheiraten.«
    »Ah, das freut mich! Auch schon verlobt?«
    »Nein,« sagte Mario lächelnd, »und am wenigsten vier Jahr. Ein weibliches
Wesen hat mir noch nicht den Wunsch eingeflößt, mich zu verheiraten, sondern
aus der öden Oberflächlichkeit des Lebens möchte ich mir in dessen Tiefe eine
Zuflucht bereiten, wo ich dem Gewirr unerreichbar bliebe, wo andre Geister
walteten, als die, welche für und in unserm Beruf uns zur Seite stehen. Ich
möchte erfahren, ob es denn kein anderes Glück gibt, als das, welches unser
unruhiges Bemühen, unsern Ehrgeiz, unsre Eitelkeit belohnt, d.h. aufreizt, indem
es sie
