
es sie noch an die Beine bringen könne. Es nähme es nur wunder, wo es mit dem
Geld hinkomme; es schaffe nichts an und hätte doch nie fünf Kreuzer beieinander.
Es wollte nur, es ließe sich einer anschmieren durch Stini und nähmte es, in der
Hoffnung, er kriege eine reiche Frau; der könnte ihns lächern, wenn er Hudlen zu
erlesen bekäme statt Geld zu zählen. »Uli, das wäre eine für dich,« sagte dann
Ürsi, »da könntest du eine Nase voll usenäh, dass du den Säumist nicht mehr
riechen würdest, nicht einmal den Kuhdreck; du hättest sie dein Lebtag voll
genug von der Frau. Ich rühme mich nicht halb so als das Stinkloch; aber es wäre
mir doch noch ein himmelweiter Unterschied, eine süferliche Frau zu bekommen,
als so ein Mistloch, so ein ungewaschenes Tier; es gruset mich alle Nacht, wenn
ich zu ihm ins Bett muss, und es kötzeret mich allemal, wenn es kochet und nicht
die Meisterfrau.«
    So führten die Nebenbuhlerinnen ihre Gefechte hinter ihren respektiven
Rücken; indessen auch vorwärts schonten sie sich nicht, und Stini schimpfte
Ürsi, und Ürsi verspottete Stini. Und Uli, den vernünftigen Kerli in seinem
übrigen Betragen, hätte man vernünftig glauben sollen, glauben sollen, da werde
es ihm nicht gehen wie einem Esel zwischen zwei Heuhaufen; und doch ging es Uli,
dem verständig gewordenen Knecht, so. Es ist eine ganz merkwürdige Sache, wie
der gescheiteste Kerli in allen Dingen der Welt beim Heiraten ein dummer Stöffel
werden kann. Wie irgend ein Trieb im Menschen, eine verborgene oder schon
offenkundig gewordene Lust durch ein Weibsstück fast wie mit einer Lunte
entflammt werden kann, dass Feuer in ihm aufgeht, ins Dach schießt und ihm wird,
als müsste er mit diesem Stück glücklich werden und hätte die ganze Welt gerade
nichts für ihn als dieses Stück, nichts Reiz für ihn mehr als dieses Stück, das
sieht man alle Tage, und wer es hundertmal gesehen, den gibt es auch zu seiner
Zeit, er ist an Andern nicht klug geworden. Man sieht tausend Ehen geschlossen
werden, wo Tausende sagen mit aller Bestimmtheit: »So gewiss eins und eins zwei
machen, werden die unglücklich«; alle pflichten bei, der Erfolg gibt ihnen
recht, nur die Beiden oder wenigstens eins ist blind, hörlos, es schmeckt und
riecht nichts. Irgend eine Begierde lag in ihm in noch unentwickelter Kraft, in
mächtiger Anlage; ein Weibsstück tritt als Leben gebendes Element hin, zu, und
nun entsteht eine Gärung, in welcher alle Besonnenheit untergeht, in welcher
diese Aufwallung einzig den Willen bestimmt, alle sonstigen Rücksichten
verdunkelt und einzig das ins Licht stellt, was Ziel jenes
