 Kopf
Und Uli tat so. Er blieb sparsam, ward immer anschlägiger und emsiger und wuchs
zugleich an Weisheit und Verstand und an Gnade bei Gott und den Menschen. Es war
recht merkwürdig, auch äußerlich die Veränderung wahrzunehmen, die mit ihm
vorgegangen. Er ging eigentlich erst jetzt recht aufrecht wie ein Mensch, man
sah es ihm von weitem an, dass das kein Sauniggel sei; man nahm ihn sehr oft für
einen Bauernsohn und nicht für einen Bauernknecht, und zwar nicht bloß wegen der
Kleidung und weil er eine silberne Uhrenkette hatte, sondern wegen seiner guten
Haltung, seinem anständigen Betragen. Es redete jeder Bauer gerne mit ihm,
fragte ihn: »Uli, was meinst?« Und seine Worte hatten eine Bedeutung. Er fühlte
auch, dass sie eine Art von Gewicht er, hielten; darum laferte er nicht mehr in
den Tag hinein, sondern besann sich, was er sagte, wog seine Worte ab, so dass es
schon hie und da hieß: »Ds Bodebure Üli het gseit, er hets o gmeint.«
    Er fühlte, dass er nicht mehr nur so ein arm Knechtlein sei, der nirgends
sein sollte, sondern dass er in der Welt sich auf einen Platz gestellt, wo man
ihn gerne sah, wo er etwas zu bedeuten hatte. Wie das alles so nach und nach kam
und bei welchen einzelnen Anlässen, indem er dem Meister vor Schaden zum Nutzen
war, Mängel an Rossen entdeckte, die der Meister kaufen wollte, günstige
Witterung benutzte in seiner Abwesenheit usw., kann ich nicht erzählen, es wäre
zu weitläufig. Er begann auch zu fühlen, dass man ganz anders auf die Erde
trappe, auch sie mit andern Augen ansehe, wenn man ein Besitzer ist, als wenn
man ein Habenichts ist. Es kommt so eine Art ruhige Sicherheit, die bei Vielen
in dummen Stolz ausartet, über den Menschen, wenn er angehängt hat an der Welt,
das heißt wenn er Früchte seiner Arbeit, Ertrag seiner Kräfte vorgespart, Vorrat
gewonnen hat auf künftige Jahre. Er fühlt: er ist nicht mehr ganz allen Winden,
fremder Willkür preisgegeben, er ist schon selbständiger, mehr Herr seiner
selbst. Er kann schon einige Krankheitswochen unbesorgt ertragen, kann einige
Wochen ohne Meister sein, das macht ihn zufriedener, gelassener; er schießt auch
nicht mehr herum, wie wenn er in einer Wesperen wäre, denn mit der innern Ruhe
nimmt auch die äußere zu, und in dem Masse, als er wirklich zufrieden in seinem
Inwendigen wird, wird er auch zufriedener mit seinen Meisterleuten. Und je mehr
er zu etwas kommt, um so mehr erkennt er den Wert der Dinge, huset nicht nur für
sich, sondern es reut ihn überhaupt
