 Uli.
    »Sieh doch, was der Kleb macht,« sagte der Meister. Und als Uli mit dem
Bescheid kam, er verdrehe sich noch, das Kalb komme noch nicht gleich, sagte der
Meister: »Ich denke mein Lebtag daran, wie unser Pfarrer uns das Dienen
ausgelegt hat in der Unterweisung und wie er die Sache so deutlich gemacht hat;
man hat ihm müssen glauben, und es ist Mancher glücklich geworden, der ihm
geglaubt hat. Er hat gesagt: Alle Menschen empfingen von Gott zwei große
Kapitale, die man zinsbar zu machen habe, nämlich Kräfte und Zeit. Durch gute
Anwendung derselben müssten wir das zeitliche und ewige Leben gewinnen. Nun hätte
Mancher nichts, woran er seine Kräfte üben, seine Zeit nützlich und abträglich
gebrauchen könnte; er verleihe daher seine Kräfte seine Zeit jemandem, der zu
viel Arbeit, aber zu wenig Zeit und Kräfte habe, um einen bestimmten Lohn; das
heiße Dienen. Nun sei das eine gar unglückliche Sache, dass die meisten Diensten
dieses Dienen als ein Unglück betrachten und ihre Meisterleute als ihre Feinde
oder wenigstens als ihre Unterdrücker, dass sie es als einen Vorteil
betrachteten, im Dienst so wenig als möglich zu machen, so viel Zeit als möglich
verklappern, verlaufen, verschlafen zu können, dass sie untreu würden, denn sie
entzögen auf diese Weise dem Meister das, was sie verliehen, verkauft hätten,
die Zeit. Wie aber jede Untreue sich selbst strafe, so führe auch diese Untreue
gar fürchterliche Folgen mit sich, denn so, wie man untreu sei gegen den
Meister, sei man auch untreu an sich. Es gebe jede Ausübung unvermerkt eine
Gewohnheit, welcher man nicht mehr loswerde. Wenn so ein Jungfräuli oder ein
Knechtlein jahrelang so wenig als möglich getan, so langsam als möglich an einer
Sache gemacht, allemal gebrummt hätte, wenn man ihm etwas zugemutet, entweder
auf- und davon, gemacht hätte, unbekümmert wie es komme, oder darob geklappert,
dass ihm das Gras unter den Füßen gewachsen sei, zu nichts Sorge getragen, so
viel als möglich gschändet, nie Angst gehabt, sondern für alles gleichgültig
gewesen sei, so gebe das erstlich eine Gewohnheit, und die könne es später nicht
mehr ablegen. Zu allen Meistern bringe es diese Gewohnheit mit, und wenn es am
Ende für sich selbst sei, heirate, wer müsse diese Gewohnheiten, diese Trägheit,
Schläfrigkeit, Schmäderfrässigkeit, Unzufriedenheit haben als es selbst? Es müsse
sie tragen und alle ihre Folgen, Not und Jammer, bis ins Grab, durch das Grab,
bis vor Gottes Richterstuhl. Man solle doch nur sehen, wie viele tausend
Menschen den Menschen zur Last seien und Gott zum Ärgernis und sich als
widerwärtige Geschöpfe herumschleppten,
