 Verrat vorgefallen, oder etwas dem
Ähnliches, so sei einzig und allein dieser Verbrecher zu schelten. »Es war wohl
natürlich«, endete der Sprechende, »dass ich meine Freiheit wünschte, und die
Gelegenheit ergriff, die mir ein edler Mann anbot, und ihr solltet alle jubeln
darüber, weil ich nicht weiß, was die Schwäche meiner menschlichen Natur auf der
Folter oder die Furcht vor dieser möchte ausgesagt haben. Nun seid ihr dieser
Besorgnis los und es gilt nur noch, wegen des alten Gefangenen mit dem Grafen zu
unterhandeln, und dabei überdies ein ansehnliches Geld zu verdienen.«
    »Nein!« rief der große, wilde Mensch, und stampfte dazu mit den Füßen;
»keine Auslösung, wenn es nach mir geht! Wozu haben wir den alten Graubart dort
seinem weichen Bett entrissen? Um ein Beispiel aufzustellen, um die
Gerichtshöfe, Häscher und Soldaten einzuschüchtern, dass keiner allzu dreist uns
in die Zügel zu greifen wage. Der Preis, den wir festgesetzt, sollte nur dienen,
Überkluge, Vorwitzige herbeizulocken, und die kennenzulernen, die uns etwa jetzt
oder in Zukunft gefährlich werden könnten. Auch diese wollten wir verderben, und
nachher die Glieder des Alten, zum Schrecken und Entsetzen der Gerichte und
Häscher, in den Städten und Dörfern als Denkmal unsrer Macht und unerbittlichen
Grausamkeit aufstecken. Nun soll alles dies durch Wort und Rede eines
schwächlichen Verräters und auf sein Ansinnen vergeblich sein und widerrufen
werden? Nein, ihr meine männlichen starken Freunde, lasst euch nicht so arg von
einer glatten Zunge betören. Der Fremde, der so vorwitzig unsere Kreise betrat,
er falle zuerst, zum abschreckenden Beispiel anderer Überklugen und Anmasslichen.
Nachher mögen wir untersuchen, ob uns Ascanios Leben oder Sterben nützlicher
sei, denn er weiß allerdings zu viel, als dass wir ihn nicht als eines der
bedeutendsten Glieder unseres Bundes betrachten sollten. So zieht denn die
Schwerter!«
    Mit einem wilden tierischen Geschrei waren mehr als hundert Waffen entblößt.
Bei diesem Anblick sprang Ascanio wie rasend von seinen Begleitern fort und
stellte sich dem Redenden gegenüber. »Halt!« schrie er, so laut er es vermochte:
»seid ihr unsinnig? Bist du, Hauptmann, trunken? Diesen Grossmütigen, den
harmlosen Fremden wollt ihr in eurer tierischen Wut aufopfern? Und ich soll ihn
auf die Schlachtbank geliefert haben? Ich, der Befreite, seinen Wohltäter? Wenn
ihr denn nicht Mensch, wenn ihr denn rohes Vieh sein wollt, so nehmt mein Blut
zuerst, so treu ich euch und dem Bunde immer war, schlachtet mich zu eurer
Sicherheit, der ich um alle eure Geheimnisse weiß, aber ihn, den edlen Mann lasst
zu seiner Heimat sicher und ungefährdet zurückkehren. Das sei das letzte Zeichen
eures
