 und beschützt
war, und wie er in diesem Augenblicke in der Abhängigkeit eines gemeinen
Menschen gewesen sei, der ihm eine große Gnade in seiner Meinung dadurch
erwiesen habe, dass er ihn seine Straße wieder frei habe ziehen lassen.
    Indessen verhandelte die Mutter Accorombona mit dem alten, verständigen
Kardinal Montalto wegen der Verbindung seines Neffen mit ihrer Tochter Virginia.
Der alte Mann erstaunte über die hohe Gestalt der noch schönen Matrone, über den
Ausdruck dieses klugen Auges und ihre edle und vornehme Haltung. Er fasste
dadurch sogleich ein gutes Vorurteil für den Geist und den Charakter einer Frau,
die sich mit solchem Wesen ankündigte. Donna Julia hatte bis jetzt den Kardinal
nur in kirchlichen Funktionen gesehen, weil er die gewöhnlichen Zusammenkünfte
der Menschen vermied; sie verstand aber sein kluges Auge und wusste durch den
verstorbenen Gatten, wie konsequent, umsichtig und beharrlich er sich von je in
allen Geschäften des Lebens betragen hatte.
    Nach den ersten höflichen Begrüßungen sagte die Matrone: »Eminenz, es gehört
zu den glücklichsten Vorfällen meines Lebens, mit einem so echten, wahrhaft
tugendhaften Mann in nähere Verbindung zu kommen. Haltet es für keine
Schmeichelei, denn ich spreche nur Wahrheit, dass ich unter allen Umständen ein
solches Bündnis meiner Tochter den Anerbietungen der reichsten, vornehmsten,
ältesten Familien würde vorgezogen haben.«
    »Ich glaube Euch, würdige Dame«, antwortete der Kardinal; »denn Euer hoher
Sinn, Euer Edelmut wird von aller Welt gerühmt. Auch ist Euer und Eurer Tochter
Entschluss deshalb zu loben, weil ihr es beide sehr gut Wisst, dass ich diesem
meinem angenommenen Sohne keine großen Reichtümer, Schätze oder liegenden Gründe
übermachen kann; denn ich habe jene krummen Wege, mir Reichtum zu erwerben,
immerdar vermieden. Aber ein gut eingerichtetes Haus mit einem angenehmen Garten
werdet Ihr erhalten, und ein so anständiges, ja reichliches jährliches
Einkommen, dass Ihr Euch dieser Vermählung wegen nicht einzuschränken braucht,
und wenn das Haus, welches Ihr machen werdet, auch nicht zu den glänzendsten
gehört, so wird es jeder Billige doch gewiss zu den anständigen und wohlhabenden
rechnen. Ihr werdet Gesellschaft sehen, Diener halten; die Mobilien, die Zierden
des Hauses, sind edel, wenn auch nicht kostbar, und wenn Ihr noch Euer Vermögen
mit diesen Einkünften vereinigt, werdet Ihr allen Sorgen des Lebens enthoben
sein, und Freunden Euch gastfrei und wohltätig erweisen können. Auch ich hätte
für meinen Neffen wohl eine berühmte hochadliche Familie finden können, die ihn
nicht ungern aufgenommen hätte; doch bin ich überzeugt, dass er in solcher
Umgebung zugrunde gegangen wäre. Meine Familie, die mich ans Licht gebracht hat,
war eine der ärmsten in der ganzen Mark, mit saurem Schweiß erbeutete sie ihr
Leben; sosehr es meine ackerbauenden Eltern auch
