 vor ihr gefürchtet, mich noch niemals in meinem
Innern von ihr abgewendet. Muss denn auch der edelste Mensch in der Zorngebärde,
in der Verzweiflung etwas Geringes und Unedles zustande bringen? Warum denn aus
dem empörten Abgrund die widerwärtige Schlacke heraufwälzen? Doch freilich, wenn
es vielleicht der Geist - wo kommt sie sonst her? Es ist ja das Innere, was man
so nennt, mit Worten. Oh, man könnte darüber wahnsinnig werden. - Diese ihre
ungeheure Heftigkeit, so warnte mich die entsetzende Stimme meiner sündlichen
Prophetengabe - diese brausete hervor, und sie hätte mir vielleicht gar ihren
Fluch gegeben, um doch, wenn das Unheil nun geschehen, wie Pilatus die Hände
waschen zu können. - Nun trat denn doch die große Herrlichkeit ein, denn meine
böse Verkehrtheit hatte keiner Ermahnung nachgegeben: leidend, still,
verschlossen nahm sie daran teil und genoss den Glanz der Welt. Seht, darum will
ich die Gattin dieses kleinen Peretti werden, um nicht noch einmal alle diese
Leidenschaften zu erregen. Ich mache Ernst aus dem Opfer, was mir vielleicht
angedeutet wurde, um meine Widerspenstigkeit erst recht zu erregen. - Tue ich
aber ihr, oder der Menschheit, hiermit nur das allerkleinste Unrecht, so bedenkt
einmal, und schaudert, welche Schlacke sich jetzt aus meiner niederträchtigen
Seele heraufgewälzt hat. - Und habt Ihr schon je erfahren, wie es in Eurem
Innern beschaffen ist? - Lebt wohl, mein Freund, denn das müsst Ihr mir von jetzt
mehr als je sein und bleiben.«
    Kaporale schüttelte das Haupt, als er sich auf der Gasse befand. In diesem
ernsten Lichte hatte er das Leben noch niemals betrachtet. Welche sonderbaren
Eröffnungen und Bekenntnisse hatten ihm in so kurzem Zeitraum die Mutter, die
Tochter und der Kardinal Farnese gemacht, deren Vertrauter er, ohne sein Zutun,
geworden war.
 
                                Fünftes Kapitel
Beim Gouverneur, dem mächtigen Buoncompagno, erhielt Graf Pepoli leicht Zutritt
und eine freundliche Aufnahme. Die schriftliche Empfehlung der fürstlichen
Margareta von Parma bestimmte den feinen Mann, einen so ausgezeichneten
Bittenden anders, als die Mehrzahl von Supplikanten zu behandeln. dabei hatte
diese Entführung der angesehenen Magistratsperson großes Aufsehen gemacht, so
dass der Regierung selber viel daran lag, einen solchen Frevel auffallend zu
strafen und den Gemisshandelten frei zu machen. Dem Grafen ward also gern
bewilliget, allein und ungestört mit Ascanio, dein Gefangenen, zu sprechen, und
von ihm die Möglichkeit der Rettung des alten Mannes zu erkundigen.
    Ascanio, ein blasser, schmaler Mensch, erstaunte sehr über den Besuch des
vornehmen Mannes. Als er den Gruß vernahm, den ihm Pepoli von dem hingerichteten
Strada brachte, schrak er zusammen, doch noch weit mehr, als er vernahm, um
welche Angelegenheit es sich handle,
